Ein berühmter Weinkritiker stirbt und hinterlässt einen Keller im Wert eines Vermögens. Erben darf ihn nur, wer zwölf Weine, die «zwölf Apostel», und einen dreizehnten, die «Tropfen Gottes», allein anhand seiner Beschreibungen erkennt. Gegeneinander treten sein Sohn, der nie Wein getrunken hat, und ein brillanter junger Önologe an, den der Vater kurz vor dem Tod adoptierte. So beginnt «Kami no Shizuku», der Wein-Manga von Tadashi Agi – Pseudonym der Geschwister Yuko und Shin Kibayashi – mit Zeichnungen von Shu Okimoto, der von 2004 bis 2014 im Magazin «Morning» erschien und 44 Bände füllte.

Wein in Bildern

Was den Manga von jedem Weinbuch unterscheidet, ist die Sprache. Wer hier einen Wein degustiert, fällt in Bilder: Ein Chambolle-Musigny wird zu einem Spaziergang mit einer geliebten Frau durch einen Wald, ein Chablis zu einem Sonnenaufgang über Austernbänken. Das ist Kitsch mit Methode: Statt Punkten und Fachbegriffen gibt es Erinnerungen und Gefühle, also genau das, was Laien beim Trinken wirklich erleben. Die Autoren degustieren selbst und beschreiben echte Weine mit Namen und Jahrgang, vom Grand Cru aus dem Burgund bis zum bezahlbaren Bordeaux.

Zum Angeben am Apéro

Ein einfacher Bordeaux, Château Mont-Pérat 2001, soll nach einem Lob im Manga in ganz Asien innert Tagen ausverkauft gewesen sein – ein Comic bewegte mehr Flaschen als jede Kritikernote.

Ausverkauft in Asien

Die Wirkung war beispiellos. In Japan, Korea und Taiwan verkauften sich Weine, die der Manga lobte, innert Tagen aus – am bekanntesten der Château Mont-Pérat 2001, ein einfacher Bordeaux, der plötzlich in ganz Asien gesucht war. Importeure lernten, die neuen Bände zu lesen, bevor die Kundschaft es tat. Das Magazin Decanter setzte die Kibayashis 2009 auf seine Liste der einflussreichsten Menschen der Weinwelt. Eine Fortsetzung, «Mariage», widmete sich ab 2015 in 26 Bänden dem Wein zum Essen.

Die Erbin zieht nach Paris

2023 kam die Geschichte als Serie zurück, diesmal europäisch: Die Apple-TV+-Produktion «Drops of God», ein französisch-japanisch-amerikanisches Projekt, verlegt die Erbin nach Paris (Fleur Geffrier als Camille Léger) und lässt sie gegen den japanischen Schüler ihres Vaters (Tomohisa Yamashita) antreten – gedreht auf Französisch, Japanisch und Englisch, mit Degustationen, die man fast riechen kann. 2024 gewann die Serie den International Emmy als beste Dramaserie; eine zweite Staffel folgte. Für Einsteigerinnen und Einsteiger ist beides ein Geschenk: Niemand lehrt so vergnüglich, dass ein Wein zuerst eine Erinnerung ist, und erst dann eine Traube.