Am 13. Oktober 2018 zahlte ein Bieter bei Sotheby’s in New York 558 000 Dollar für eine einzige Flasche Romanée-Conti 1945. Im März 2026 kam dieselbe Flasche bei Acker in New York wieder unter den Hammer und brachte 812 500 Dollar, bis heute der Rekord für eine Normalflasche Wein. Der Jahrgang ist ein Mythos, weil es ihn fast nicht gab: Frost und Hagel liessen 1945 nur rund 600 Flaschen entstehen, und im selben Jahr wurden die alten, noch wurzelechten Reben ausgerissen, die die Reblaus überlebt hatten. Von 1946 bis 1951 gab es gar keinen Romanée-Conti; erst der Jahrgang 1952 kam von den jungen Reben.

Zwei Monopole in Vosne

Die Domaine de la Romanée-Conti, in der Weinwelt kurz DRC, sitzt in Vosne-Romanée an der Côte de Nuits. Ihr Herz sind zwei Monopole, Lagen also, die ihr allein gehören: Romanée-Conti, ein Grand Cru von nur rund 1,8 Hektaren, und La Tâche mit rund 6 Hektaren. Dazu kommen Anteile an Richebourg, Romanée-Saint-Vivant, Grands Échezeaux und Échezeaux, ein Stück Montrachet für den einzigen Weisswein des Hauses und seit 2009 Corton. Alles ist Pinot Noir, bis auf den Chardonnay des Montrachet. Der Name stammt vom Prince de Conti, der die Lage 1760 kaufte, der Legende nach vor der Nase von Madame de Pompadour.

Zum Angeben am Apéro

Von 1946 bis 1951 gab es keinen einzigen Jahrgang Romanée-Conti: Die alten Reben waren 1945 ausgerissen worden, und die jungen durften erst 1952 ran.

Seit 1942 gehört die Domaine zwei Familien, de Villaine und Leroy, heute Leroy/Roch, die sie gemeinsam führen. Ihr Gesicht war ein halbes Jahrhundert lang Aubert de Villaine, Co-Direktor von 1974 bis 2022, der 1976 auch in der Jury des Judgement of Paris sass. Die Rebberge werden seit den 2000er-Jahren biodynamisch bewirtschaftet, gepflügt wird teils mit dem Pferd, die Erträge sind winzig, und die Weine werden nur über Zuteilung verkauft, die Spitzencrus im Paket mit den anderen. Im Regal stehen sie praktisch nie.

Ein Erpresser im Rebberg

Im Winter 2009/2010 erhielt die Domaine Drohbriefe: Ein Erpresser verlangte eine Million Euro, sonst werde er die Reben der Romanée-Conti vergiften, und zum Beweis hatte er tatsächlich zwei Stöcke angebohrt. Die Polizei stellte ihm im Februar 2010 bei der Geldübergabe eine Falle. Dass die Weine der DRC auch die beliebtesten Opfer von Fälschern sind, erzählt die Seite zu «Sour Grapes».

Was im Glas bleibt

Für die meisten bleibt die DRC ein Wein zum Lesen, nicht zum Trinken. Wer verstehen will, was den Pinot Noir von Vosne-Romanée so begehrt macht, trinkt die Nachbarn im Dorf, einen Village oder Premier Cru, und vergleicht ihn mit einem Pinot Noir aus der Bündner Herrschaft, die nicht umsonst das «Burgund der Schweiz» heisst.