Weinregion
Kachetien
Kachetien in Ostgeorgien: Wiege des Weins, Qvevri-Tongefässe im Boden, Saperavi und Rkatsiteli, Amberwein, UNESCO-Kulturerbe seit 2013.
- Bedeutung
- Georgiens wichtigste Weinregion, mit dem grössten Teil der Reben und der Weinernte des Landes
- Wichtigste Sorten
- Rkatsiteli, Mtsvane, Kisi (weiss); Saperavi (rot)
- Lage und Klima
- Alazani-Tal zwischen Grossem Kaukasus und Gombori-Kette; Reben meist auf 400 bis 700 Metern
- Typische Weine
- Amberwein aus dem Qvevri, Tsinandali (weiss), Mukuzani (rot), Kindzmarauli (halbsüss, rot)
- Wahrzeichen
- der Qvevri: UNESCO-Kulturerbe seit 2013, Weinspuren von rund 8 000 Jahren
Kachetien liegt im Osten Georgiens, im Tal des Alazani, zwischen dem Grossen Kaukasus im Norden und der Gombori-Kette im Süden. Es ist die wichtigste Weinregion des Landes; der grösste Teil der georgischen Reben und der Weinernte stammt von hier. Die Reben stehen meist auf 400 bis 700 Metern, die Sommer sind warm, die Winter können kalt sein. Georgien gilt als «Wiege des Weins»: In rund 8 000 Jahre alten Tongefässen aus der Jungsteinzeit, gefunden nicht weit von Tiflis, wiesen Forscher 2017 Rückstände von Traubenwein nach, die ältesten bislang bekannten Spuren. Auf dieser Tradition stehen mehrere Hundert einheimische Rebsorten.
Das Herzstück der kachetischen Kellerarbeit ist der Qvevri: ein eiförmiges Tongefäss, innen mit Bienenwachs ausgekleidet, das im Boden des Kellers vergraben wird. Frisch gepresster Saft kommt samt Schalen, Stielen und Kernen hinein, das Gefäss wird verschlossen, und der Wein gärt dort rund fünf bis sechs Monate. Die Erde hält die Temperatur ohne Kühlung gleichmässig. 2013 nahm die UNESCO die georgische Qvevri-Weinbereitung in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf. Das Wissen wird in den Familien weitergegeben, und der Weinkeller gilt bis heute als der heiligste Ort des Hauses.
Aus weissen Trauben entsteht auf diese Weise der Amberwein: Rkatsiteli, Mtsvane oder Kisi vergären wie ein Rotwein mit Schalen, Stielen und Kernen und gewinnen dabei eine Farbe von Bernstein bis Orange, Gerbstoff und Struktur. Die kachetische Methode ist die ausgeprägteste; im Westen des Landes, in Imeretien, bleibt der Wein weniger lang auf den Schalen. Der Rkatsiteli, wörtlich «roter Stiel», ist die wichtigste weisse Sorte und behält viel Säure. Bei den Roten führt der Saperavi, dessen Name sinngemäss «Farbe geben» bedeutet: Er ist eine Färbertraube mit rotem Fruchtfleisch und liefert tiefdunkle, säurereiche Weine, die lange reifen können; zudem gilt er als frosthart. Im italienischen Friaul und im angrenzenden Slowenien haben Winzer die Maischegärung weisser Trauben wiederentdeckt, zum Teil mit eigens importierten Qvevri.
Kachetien kennt eine Reihe geschützter Herkunftsbezeichnungen, jede an einen Ort und meist an bestimmte Sorten gebunden. Tsinandali ist ein trockener Weisswein aus Rkatsiteli und Mtsvane, Mukuzani ein trockener, kräftiger Saperavi-Rotwein, Kindzmarauli und Akhasheni sind halbsüsse Rote aus Saperavi. Zum Trinken: Amberwein zu gebratenem Geflügel, Pilzen und kräftigem Käse; Saperavi zu Lamm, Grillfleisch und Wild; Tsinandali zu Fisch und Gemüse.