Weinregion
Friaul
Friaul im Nordosten Italiens ist Weissweinland: Collio und Colli Orientali, Friulano, Ribolla Gialla, Pinot Grigio und die Pioniere des Orange Wine.
- Rebfläche
- rund 28 000 Hektaren; Collio rund 1 500, Colli Orientali rund 2 000
- Wichtigste Sorten
- weiss: Pinot Grigio, Friulano, Ribolla Gialla, Sauvignon Blanc, Chardonnay; rot: Merlot, Cabernet Franc, Refosco
- Klima und Böden
- Alpen im Norden, Adria im Süden: warme Tage, kühle Nächte; im Collio Mergel und Sandstein (Ponca)
- Typische Weine
- Collio Friulano, Ribolla Gialla, Sauvignon, Orange Wine; Süssweine Picolit und Ramandolo (DOCG)
- Wahrzeichen
- Oslavia im Collio an der slowenischen Grenze, Heimat der Orange-Wine-Pioniere Gravner und Radikon
Friaul-Julisch Venetien liegt im äussersten Nordosten Italiens, zwischen den Alpen im Norden, der Adria im Süden und der Grenze zu Slowenien im Osten. Mit rund 28 000 Hektaren Reben ist es keine der grössten Regionen, aber eine der wichtigsten für Weisswein: Mindestens zwei Drittel der Produktion sind weiss. Alpine Kühle und der milde Einfluss der Adria bringen warme Tage und kühle Nächte, die Frische und Aroma bewahren. Im Collio, den Hügeln um Görz direkt an der slowenischen Grenze, wachsen die Reben auf Mergel und Sandstein aus dem Eozän, die hier Ponca heissen. Das Collio wurde 1968 DOC und umfasst rund 1 500 Hektaren; westlich schliessen die Colli Orientali del Friuli mit rund 2 000 Hektaren an. In den Ebenen von Friuli Grave und Isonzo liegen die Reben auf Kies und Lehm, im Karst bei Triest, dem Carso, auf roter Erde.
Die Palette ist breit. Pinot Grigio und Glera (für den Prosecco) sind die meistgepflanzten Sorten; dazu kommen Chardonnay und Sauvignon Blanc. Eigenständiger sind die einheimischen Sorten: der Friulano, bis 2007 als Tocai Friulano bekannt, bevor eine Vereinbarung zwischen der EU und Ungarn den Namen wegen des Tokaji verbot, und die Ribolla Gialla, die schon im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt wird. Bei den roten ist der Merlot wie im Tessin die wichtigste Sorte; dazu kommen Cabernet Franc, Refosco und Raritäten wie Schioppettino, Pignolo oder Terrano. Aus Picolit und Verduzzo entstehen die DOCG-Süssweine Picolit und Ramandolo.
Berühmt ist das Friaul heute für den Orange Wine. Rund um Oslavia im Collio begannen Winzer wie Josko Gravner und Stanko Radikon in den 1990er-Jahren, weisse Trauben, vor allem die dickschalige, säurebetonte Ribolla Gialla, wochen- bis monatelang auf den Schalen zu vergären; Gravner setzte später auch georgische Tongefässe ein, Qvevri, die in der Erde vergraben sind. Die Weine sind bernsteinfarben, haben festen Gerbstoff und nussige Noten. Weisse Trauben auf den Schalen zu vergären ist eine uralte Technik, etwa aus Georgien bekannt; im Friaul machten diese Pioniere sie zum Markenzeichen. Jenseits der Grenze heisst die Ribolla Rebula; im slowenischen Brda, der Fortsetzung der Collio-Hügel, ist sie weit verbreitet.
Die Qualitätspyramide kennt mehrere DOC-Zonen wie Collio, Colli Orientali del Friuli, Friuli Grave, Isonzo und Carso, dazu einige DOCG. Auch dem Prosecco gab ein Dorf bei Triest den Namen, und die Prosecco DOC reicht heute über das Veneto hinaus bis nach Friaul.
Zum Trinken: Friulano zum luftgetrockneten Schinken von San Daniele, ein Sauvignon aus dem Collio zu Spargel, Ribolla Gialla zu Fisch und Gemüse, ein Orange Wine zu Pilzen und reifem Käse, ein Merlot zu Braten und Polenta. Der Picolit passt zu Gebäck oder Blauschimmelkäse.