Ein Speisesaal, drei Prüfer am Tisch, eine Flasche Champagner. Die Kandidatin öffnet sie lautlos, schenkt ein, beantwortet dabei Fragen zu Cocktails, Zigarren und Jahrgängen und lächelt, als wäre es ein gewöhnlicher Abend. Das ist der Serviceteil der Master-Sommelier-Prüfung, und er ist nur ein Drittel. Die erste solche Prüfung fand 1969 in London statt; 1977 gründeten die Beteiligten in Torquay den Court of Master Sommeliers als internationale Prüfungsinstanz, mit heute zwei Zweigen für Europa und für Amerika. Das Diplom gilt als die höchste Auszeichnung des Gastgewerbes, so wie der Master of Wine als die des Handels.
Vier Stufen, drei Prüfungen
Der Weg führt über vier Stufen: Introductory, Certified, Advanced und zuletzt das Master Sommelier Diploma. Die letzte Prüfung besteht aus drei Teilen. Die Theorie wird mündlich abgefragt, ohne Vorwarnung von Rebsorte bis Sake. Der Service ist die Szene von oben. Und in der Degustation stehen sechs Weine im Glas, drei weisse, drei rote, für die 25 Minuten bleiben: Rebsorte, Land, Region, Jahrgang, laut begründet nach einem festen Raster, dem «Grid». Wer einen Teil besteht, darf die anderen in den folgenden Jahren nachholen. Bis 2018 hatten seit 1969 weltweit nur rund 280 Menschen alle drei geschafft. Der Dokumentarfilm «Somm» von 2012 zeigt, was das aus Kandidaten macht: Karteikarten im Bett, Degustation zum Frühstück.
Zum Angeben am Apéro
Von der ersten Prüfung 1969 bis 2018 bestanden weltweit nur rund 280 Menschen die Master-Sommelier-Prüfung, und 2018 verloren 23 frisch Gekürte den Titel gleich wieder.
Der Skandal von 2018
2018 erschütterte ein Skandal den amerikanischen Zweig. Kurz nach der Bekanntgabe der Resultate stellte sich heraus, dass ein Prüfer mindestens einem Kandidaten verraten hatte, welche Weine im Degustationsteil standen. Der Vorstand annullierte den Degustationsteil für alle, 23 der 24 frisch gekürten Master verloren den Titel, nur einer durfte ihn behalten, weil er die Degustation schon im Jahr davor bestanden hatte. Die Gebühren wurden zurückerstattet, eine Wiederholung angeboten. Für eine Institution, die vom Mythos der Unbestechlichkeit lebt, war es ein tiefer Riss.
Was unterscheidet den Master Sommelier vom Master of Wine? Der Ort. Der eine arbeitet am Gast, der andere am Schreibtisch. Für Sie heisst das: Eine Sommelière, die Sie nach Ihrem Budget fragt und dann etwas empfiehlt, das Sie nicht kannten, macht genau das, wofür der Court prüft. Blind erkennen ist Sport; gut beraten ist der Beruf.
