Vier junge Männer, ein Jahr, Tausende Karteikarten. Jason Wises Dokumentarfilm «Somm» (2012) begleitet Ian Cauble, Brian McClintic, Dustin Wilson und DLynn Proctor bei der Vorbereitung auf eine der schwierigsten Prüfungen der Welt: das Diplom des Master Sommelier, vergeben vom Court of Master Sommeliers. Seit der ersten Prüfung 1969 haben nur wenige hundert Menschen bestanden. Der Film macht aus Lernen Sport: Küchentische voller Gläser, Partnerinnen, die Fragen zu deutschen Anbaugebieten abhören, und eine Aromabeschreibung, die zum Running Gag wird: «fresh cut garden hose», frisch geschnittener Gartenschlauch.

Drei Prüfungen, ein Raster

Die Prüfung hat drei Teile: Theorie (mündlich, von Appellationen bis zu Sakekategorien), Service (ein inszenierter Restaurantabend mit Champagner, Dekantieren und schwierigen Gästen) und die Blinddegustation: sechs Weine in 25 Minuten, Traube, Land, Region, Qualitätsstufe und Jahrgang, laut vor der Jury. Der Film zeigt die Methode, mit der das überhaupt möglich ist: das Degustationsraster, englisch «grid». Statt zu raten, arbeitet man systematisch ab: Farbe und Viskosität, Fruchtreife, Holz, Säure, Tannin, Alkohol, Länge – und schliesst erst am Ende auf eine Herkunft.

Zum Angeben am Apéro

In der Blinddegustation der Master-Sommelier-Prüfung sind sechs Weine in 25 Minuten zu bestimmen: gut vier Minuten pro Glas für Traube, Land, Region und Jahrgang.

Genau dieses Raster ist für Zuschauerinnen und Zuschauer der nützlichste Teil. Wer zu Hause einen Wein nicht erraten, sondern beschreiben lernt, trinkt bewusster: Ist die Säure hoch, der Körper leicht, die Frucht eher sauer als süss? Dann sind wir in einem kühlen Klima, vielleicht an der Mosel oder am Zürichsee. Vanille und Toast: neues Eichenholz. Der Rest ist Erfahrung – und Karteikarten.

Ein Kultfilm und seine Folgen

«Somm» wurde zum Kultfilm der Branche und zum Auftakt einer Reihe. «Somm: Into the Bottle» (2015) erzählt die Weingeschichte anhand von zehn Flaschen, die vor der Kamera geöffnet werden. «Somm 3» (2018) setzt Fred Dame, Steven Spurrier und Jancis Robinson an einen Tisch, mit Blick zurück auf die Pariser Degustation von 1976. «Somm 4: Cup of Salvation» (2024) folgt einem armenischen Winzer, der Trauben aus Iran holen will. Netflix nahm das Thema 2020 mit dem Spielfilm «Uncorked» auf, in dem ein junger Mann aus Memphis zwischen dem Barbecue-Lokal seines Vaters und dem Sommelierdiplom steht. Das Fazit all dieser Filme ist dasselbe: Hinter jedem souveränen Sommelier stehen Jahre des Scheiterns – und ein ziemlich spezieller Humor.