Tokio, März 2013: Auf der Bühne steht ein Mann aus dem Tessin, der dreimal Zweiter geworden ist, in Montreal 2000, auf Rhodos 2007, in Santiago de Chile 2010. Dann wird sein Name gerufen. Paolo Basso, geboren 1966 bei Varese, Schweizer Staatsbürger und lange im Mendrisiotto zu Hause, ist Weltmeister der Sommeliers. Hinter ihm landen die Kanadierin Véronique Rivest, die erste Frau auf einem Podest dieses Wettbewerbs, und der Belgier Aristide Spies.

Ein Turnier, kein Diplom

Die Meisterschaft veranstaltet die Association de la Sommellerie Internationale (ASI), 1969 in Reims gegründet. Noch im selben Jahr fand in Brüssel der erste Wettbewerb statt, den der Franzose Armand Melkonian gewann; es folgten Mailand 1971 und Lissabon 1978. Seit 1983 wird meist alle drei Jahre ein neuer Titelträger gekürt, in einer Stadt, die von Mal zu Mal wechselt. Teilnehmen dürfen nur die nationalen Meister ihrer Verbände, in der Schweiz kürt sie die Association suisse des sommeliers professionnels (ASSP). Es ist, anders als der Master Sommelier, kein Diplom, sondern ein Turnier: Es gibt nur einen Sieger.

Zum Angeben am Apéro

Paolo Basso aus dem Tessin wurde 2000, 2007 und 2010 Vizeweltmeister, bevor er 2013 in Tokio den Titel holte; 2019 gewann Marc Almert, Chef-Sommelier im Zürcher Hotel Baur au Lac, mit 27 Jahren.

Was die Kandidatinnen und Kandidaten können müssen, klingt wie ein Zehnkampf. Weine und Spirituosen blind erkennen und in Minuten präzise beschreiben; eine Flasche dekantieren, während die Uhr läuft; eine Flasche Champagner gleichmässig auf eine ganze Tischrunde verteilen, ohne einen Tropfen übrig zu lassen; auf einer gespickten Weinkarte die falschen Jahrgänge, Appellationen und Rebsorten finden; zu einem Menü in Sekunden passende Weine nennen; und all das vor Publikum, in Fremdsprachen und mit einem Lächeln, denn auch die Haltung wird bewertet.

Von Dubs bis Haram Svorte

Die Siegerliste zeigt, wie sich die Weinwelt verschob: Lange gewannen Franzosen wie Serge Dubs 1989, dann der Deutsche Markus Del Monego 1998, der Italiener Enrico Bernardo 2004, der Schwede Andreas Larsson 2007, der in England lebende Franzose Gérard Basset 2010, Basso 2013, der Schwede Arvid Rosengren 2016. 2019 siegte in Antwerpen mit 27 Jahren der Deutsche Marc Almert, Chef-Sommelier des Zürcher Hotels Baur au Lac, ein zweiter Titel für einen Arbeitsplatz in der Schweiz. 2023 holte in Paris der Lette Raimonds Tomsons den Titel, 2026 in Lissabon der Norweger Nikolai Haram Svorte, vor der Französin Pascaline Lepeltier und dem Japaner Wataru Iwata.

Fragen Sie den Sommelier

Für Sie am Tisch heisst das: Hinter dem Wort Sommelier steckt ein Beruf mit Weltmeisterschaft, nicht ein Pose. Eine gute Sommelière will nicht imponieren, sondern den Wein finden, der zu Ihrem Essen, Ihrem Geschmack und Ihrem Budget passt. Fragen Sie, was sie heute selbst trinken würde, und Sie lernen mehr als aus jeder Punktzahl.