1950 schickte Penfolds seinen jungen Kellermeister Max Schubert nach Europa, um Sherry und Portwein zu studieren, denn davon lebte das australische Weingeschäft damals. Auf dem Rückweg machte er in Bordeaux Halt, degustierte beim Händler Christian Cruse Weine, die 40 oder 50 Jahre alt waren, und kam mit einer anderen Idee heim: Australien sollte einen Rotwein haben, der ebenso lange lebt. Cabernet Sauvignon gab es kaum, also nahm er Shiraz, die Traube, die in Australien noch Hermitage hiess, und baute sie in neuen amerikanischen Eichenfässern aus. Der erste Versuch war der Grange Hermitage 1951, benannt nach dem Cottage, das Dr. Christopher Rawson Penfold und seine Frau Mary 1844 in Magill bei Adelaide gebaut hatten.
Die Demütigung von 1957
Dann kam die Blamage. 1957 liess die Geschäftsleitung die ersten Jahrgänge in Sydney von Fachleuten verkosten, und das Urteil war vernichtend; ein Kritiker soll gesagt haben, der Wein tauge höchstens als Betäubungsmittel. Schubert erhielt den Befehl, die Produktion einzustellen. Er gehorchte nicht. Mit Hilfe weniger Vertrauter machte er die Jahrgänge 1957, 1958 und 1959 heimlich weiter, in versteckten Fässern und ohne das Budget für neue Eiche. 1960 verkosteten die Direktoren die gereiften frühen Jahrgänge nochmals, erkannten, was sie hatten, und gaben den Wein offiziell frei. 1962 gewann der Grange 1955 an der Weinschau in Sydney seine erste Goldmedaille, es sollten über fünfzig werden.
Zum Angeben am Apéro
1957 befahl die Geschäftsleitung von Penfolds, den Grange einzustellen; Max Schubert machte die Jahrgänge 1957 bis 1959 heimlich weiter, und 2001 wurde der Wein in Südaustralien offiziell zum Kulturerbe erklärt.
Gegen jede europäische Regel
Grange ist bis heute ein Wein gegen die Konventionen Europas: kein Lagenwein, sondern eine Assemblage aus Trauben mehrerer Regionen Südaustraliens, vor allem Barossa Valley, McLaren Vale und Magill, so dass der Stil des Hauses stärker zählt als das Jahr. Shiraz, in manchen Jahrgängen mit einem Schuss Cabernet Sauvignon, reift rund 18 Monate in neuen amerikanischen Fässern. 1990 verschwand das Wort «Hermitage» vom Etikett, weil es in Europa eine geschützte Herkunft der Rhone ist. Seit 2002 verantwortet Peter Gago den Wein.
2001 nahm der National Trust of South Australia den Grange als Kulturerbe auf, als einzigen Wein. Penfolds führt seit 1991 «Recorking Clinics» durch, bei denen Sammler alte Flaschen prüfen, auffüllen und neu verkorken lassen; eine solche Fürsorge für den eigenen Wein gibt es sonst kaum.
Shiraz in seiner üppigsten Form
Für das Glas: Grange ist Shiraz in seiner üppigsten, langlebigsten Form, mit der Süsse amerikanischer Eiche. Wer die Traube kühler mag, vergleicht ihn mit einer Syrah aus dem Wallis, wo sie auf den Terrassen an der Rhone wächst, und schmeckt, wie viel das Klima ausmacht.
