Am 17. Juni 2018 verkaufte das Auktionshaus Baghera/wines in Genf die letzten 1 064 Flaschen aus dem Keller von Henri Jayer, dem 2006 verstorbenen Burgunder Winzer, für 34,5 Millionen Franken, mehr als das Doppelte der Schätzung; eine Vertikale von fünfzehn Magnums Cros-Parantoux allein brachte über eine Million. Vier Monate später schlug Sotheby’s in New York eine einzelne Flasche Romanée-Conti 1945 für 558 000 Dollar zu, ein Rekord für eine Normalflasche. Wein war eine Anlageklasse geworden, und die Schweiz einer seiner Handelsplätze.

Eine ältere Maschinerie

Die Maschinerie ist älter, als sie aussieht. Schon die erste Auktion von James Christie in London im Dezember 1766 enthielt Wein; heute teilen sich Christie’s, Sotheby’s, Acker und Zachys die grossen Verkäufe, und Genf und Zürich sind mit Baghera/wines und dem älteren Haus Steinfels die Schweizer Adressen. Bordeaux verkauft «en primeur», in Subskription: Die Châteaux bieten einen Jahrgang im Frühling nach der Lese an, zwei Jahre vor der Lieferung, über Négociants und Courtiers, und der Preis bewegt sich mit den ersten Noten der Kritiker. Liv-ex, die 2000 gegründete London International Vintners Exchange, machte aus Handelspreisen Indizes wie den Fine Wine 100, sodass Wein wie eine Aktie gezeichnet werden kann.

Zum Angeben am Apéro

2018 wurde in New York eine einzige Flasche Romanée-Conti 1945 für 558 000 Dollar versteigert; im selben Jahr brachte in Genf ein Burgunderkeller 34,5 Millionen Franken.

Was den Markt bewegt

Drei Dinge bewegen den Markt: Knappheit (ein Grand Cru misst ein paar Hektaren und kann nicht wachsen), Punkte und Mode, und Asien. Als Hongkong im Februar 2008 seine Weinsteuer abschaffte, wurde es innert weniger Jahre zum grössten Auktionsplatz der Welt, und die Preise für Château Lafite vervielfachten sich, bevor sie nach 2011 wieder fielen. Seither hat Burgund den Platz von Bordeaux an der Spitze übernommen: winzige Domaines, mythische Namen, ein paar hundert Flaschen. Die früheren Rekorde lesen sich wie eine Geschichte des Geschmacks: eine Imperiale Cheval Blanc 1947 für 304 375 Dollar bei Christie’s in Genf 2010; eine Sechsliterflasche Screaming Eagle 1992 für 500 000 Dollar an einer Wohltätigkeitsauktion im Napa Valley im Jahr 2000.

Die nüchterne Seite gehört in jeden Artikel. Grosse Weine kosten Geld im Lager (ein Zolllager bei 12 bis 14 °C, Versicherung), verdienen nichts, während sie schlafen, lassen sich schwer schnell verkaufen und ziehen Fälscher an: Die Affäre Rudy Kurniawan zeigte, wie viele Fälschungen bis in die besten Auktionssäle gelangten. Herkunft, eine dokumentierte Kette vom Château bis in Ihren Keller, ist mehr wert als jede Punktzahl. Und die Indizes messen die paar hundert Weine, die gehandelt werden; die anderen 99,9 Prozent des Weins werden gemacht, um getrunken zu werden.

Ein Markt, keine Empfehlung

Für Leserinnen und Leser: Diese Seite beschreibt einen Markt, sie empfiehlt keinen. Wer eine Kiste eines grossen Jahrgangs kauft, hat die beste Rendite immer noch an einem Abendessen mit Freunden in zwanzig Jahren.