Auf dem Etikett steht kein «Château», kein Cru, keine Klassifikation. Nur ein Name, Pétrus, der Apostel mit dem Schlüssel und die Herkunft: Pomerol. Mehr braucht es nicht, denn dieser Wein ist der berühmteste Merlot der Welt. Pomerol hat nie eine Klassifikation erstellt, und Pétrus hat auch nie eine gebraucht.
Das Geheimnis im Boden
Das Geheimnis liegt im Boden. Auf dem höchsten Punkt des Plateaus von Pomerol, rund 40 Meter über dem Meer, sitzt eine Linse aus blauem Ton, von den Winzern «boutonnière» genannt, Knopfloch. Dieser Ton speichert Wasser und gibt es in trockenen Sommern langsam ab, und er zwingt den Merlot zu kleinen, dichten Beeren. Rund 11,5 Hektaren stehen darauf, praktisch nur Merlot, seit die letzten Cabernet-Franc-Stöcke aufgegeben wurden. Das Ergebnis ist ein Rotwein, der aus einer Sorte, die man sonst für weich hält, etwas Samtiges, Tiefes und sehr Langlebiges macht.
Zum Angeben am Apéro
Zwölf Flaschen Pétrus 2000 kreisten von 2019 bis 2021 rund 14 Monate lang in der Raumstation ISS um die Erde; eine davon wurde danach für rund eine Million Dollar angeboten.
Eine Frau aus Libourne
Berühmt gemacht hat ihn eine Frau. Madame Edmonde Loubat, Hotelbesitzerin in Libourne, kaufte das Gut ab 1925 in Etappen und trat auf, als wäre es längst ein Premier Cru; sie reiste zur Hochzeit von Prinzessin Elizabeth 1947 nach London und sorgte dafür, dass Pétrus am englischen Hof ausgeschenkt wurde. Der Weinhändler Jean-Pierre Moueix übernahm 1945 den Vertrieb, wurde 1964 Miteigentümer, und seine Familie führt das Gut bis heute; sein Sohn Christian machte den Wein vier Jahrzehnte lang. 2018 verkaufte die Familie einen Anteil von 20 Prozent an den kolumbianisch-amerikanischen Investor Alejandro Santo Domingo.
Die Legenden heissen 1947, 1961, 1982 und 1989. Dahinter steht viel Aufwand: Die Trauben werden nur am Nachmittag gelesen, wenn der Tau getrocknet ist, Pétrus war 1973 eines der ersten Güter, das grüne Trauben ausdünnte, und in nassen Jahren liess man sogar Helikopter über den Reben kreisen, um sie zu trocknen. 2019 flogen zwölf Flaschen des Jahrgangs 2000 zur Raumstation ISS und kreisten rund 14 Monate lang um die Erde; 2021 verglich ein Panel in Bordeaux sie mit Flaschen, die auf der Erde geblieben waren, und fand feine Unterschiede. Eine Weltraumflasche wurde danach für rund eine Million Dollar angeboten.
Heimvorteil Merlot
Für Schweizer Trinker ist Pétrus eine Referenz mit Heimvorteil: Merlot ist seit 1906 die Traube des Tessins. Wer wissen will, wie weit die Sorte reicht, probiert einen gereiften Tessiner Merlot aus dem Mendrisiotto neben einem Pomerol aus einem Nachbargut von Pétrus. Der Ton ist anders, die Sorte dieselbe.
