Weinregion
Tessin
Das Tessin ist das Merlot-Land der Schweiz: rund 1 100 Hektaren südlich der Alpen, seit 1906 dem Merlot gewidmet, geteilt in Sopraceneri und Sottoceneri.
- Rebfläche
- rund 1 100 Hektaren, rund 8 Prozent der Schweiz
- Wichtigste Sorten
- Merlot (rund drei Viertel der Fläche); dazu Chardonnay, Sauvignon Blanc, Bondola, Cabernet
- Klima und Böden
- insubrisch, viel Regen und viel Sonne; Granit und Schiefer im Norden, Lehm und Kalk im Süden
- Typische Weine
- Merlot del Ticino, Merlot bianco, Rosato
- Wahrzeichen
- der Monte Ceneri, der Sopraceneri und Sottoceneri trennt; das Mendrisiotto
Das Tessin ist die einzige Weinregion der Schweiz auf der Südseite der Alpen. Rund 1 100 Hektaren Reben, zusammen mit dem Bündner Misox etwa 1 180, verteilen sich auf Hänge, Terrassen und kleine Parzellen zwischen Airolo und Chiasso; das sind rund 8 Prozent der Schweizer Rebfläche. Das insubrische Klima bringt reichlich Regen, oft in heftigen Gewittern, und zugleich viel Sonne und milde Herbste, in denen die Seen von Lugano und Locarno die Wärme speichern. Rund 85 Prozent der Fläche sind rot, und eine einzige Sorte prägt das Bild: Der Merlot belegt rund drei Viertel des Tessiner Rebbergs.
Der Merlot ist ein Einwanderer. Nachdem die Reblaus und die Pilzkrankheiten die alten Rebberge mit der einheimischen Bondola und anderen Sorten zerstört hatten, suchte der Kanton nach einer Traube, die mit dem feuchten Klima zurechtkommt. 1906 wurden die ersten Merlot-Setzlinge aus Bordeaux verteilt; der Arzt und Politiker Giovanni Rossi pflanzte sie auf seinem Gut Vallombrosa in Castelrotto im Malcantone. Die Sorte reift früh genug, verträgt Regen besser als viele andere und wurde innert weniger Jahrzehnte zur Tessiner Traube schlechthin. Der Nostrano, der traditionelle Landwein aus gemischten Sorten, lebt daneben weiter, und die Bondola wird heute wieder gepflegt.
Der Monte Ceneri teilt das Weinbaugebiet in zwei Hälften. Das Sopraceneri im Norden, mit rund 300 Hektaren um Bellinzona, Locarno und in den Tälern von Maggia, Leventina und Blenio, hat Böden aus Granit und Schiefer, die saurer und magerer sind; die Merlots sind hier schlanker, frischer und mineralischer. Das Sottoceneri im Süden, mit rund 600 Hektaren um Lugano, im Malcantone und im Mendrisiotto, liegt auf Lehm und Kalk und ist wärmer; hier entstehen die dichten, in Barriques ausgebauten Merlots, die dem Tessin seinen Ruf gemacht haben, dazu Cabernet, Chardonnay und Sauvignon Blanc.
Der Merlot wird im Tessin in allen Farben gekeltert: als kräftiger, oft holzgeprägter Rotwein, als leichter Rosato und als Merlot bianco, ein weiss gekelterter Wein aus roten Trauben, der seit den 1980er-Jahren zur Spezialität geworden ist. Rund 26 Sorten stehen im Kanton, und in den Grotti, den Gartenwirtschaften unter Kastanienbäumen, wird er im Boccalino ausgeschenkt.
Zum Trinken: ein Merlot aus dem Sottoceneri zu Brasato, Polenta und Luganighe, ein leichter Merlot aus dem Sopraceneri zu Risotto mit Pilzen, ein Merlot bianco zu Seefisch, ein Rosato zu Salumi und Formaggini.