Rebsorte

Merlot

Merlot im Tessin: seit 1906 die Rebsorte der Südschweiz, auch als weisser Merlot. Herkunft aus Bordeaux, Abstammung, Charakter und passende Gerichte.

Farbe
Rot
Abstammung
Natürliche Kreuzung Cabernet Franc × Magdeleine Noire des Charentes (DNA-Analyse 2009), aus dem Bordelais
Anbau in der Schweiz
Rund 1 200 Hektaren, davon rund 830 im Tessin (rund drei Viertel der Tessiner Rebfläche)
Typische Aromen
Pflaume, Brombeere, Kirsche, Tabak, Schokolade
Klassisch dazu
Brasato mit Polenta, Luganighe, Pilzrisotto
Besonderheit
Bianco di Merlot: weiss gekelterter Merlot, im Tessin seit den 1980er-Jahren

Merlot ist die Traube des Tessins. Die Schweiz baut rund 1 200 Hektaren davon an, nach dem Pinot Noir die zweitgrösste rote Fläche, und rund 830 dieser Hektaren liegen südlich des Gotthards, wo Merlot etwa drei Viertel der Tessiner Rebfläche einnimmt. Der Rest verteilt sich auf das Wallis, die Waadt, Genf und ein wenig auf die Deutschschweiz, wo wärmere Sommer die Sorte zu einem interessanten Neuling gemacht haben. Keine andere Schweizer Weinregion ist so stark von einer einzigen roten Sorte geprägt.

Sie kam als Rettung. Ende des 19. Jahrhunderts vernichteten Reblaus und Mehltau den grössten Teil des alten Tessiner Rebbergs, der mit einer Mischung lokaler Sorten wie Bondola bestockt war. Der Agronom Alderige Fantuzzi prüfte Ersatzsorten, die ersten Merlot-Reben aus Bordeaux wurden um 1905 gepflanzt, und 1906 wurde der erste Wein gekeltert; dieses Datum feiert das Tessin. Innerhalb weniger Jahrzehnte hatte die Sorte das Feld übernommen. Ihre eigene Abstammung klärte 2009 eine DNA-Analyse: Merlot ist eine natürliche Kreuzung von Cabernet Franc und einer obskuren bretonischen Traube, der Magdeleine Noire des Charentes.

Das Tessin teilt sich in zwei Zonen. Das Sopraceneri nördlich des Monte Ceneri um Bellinzona und Locarno hat saure Granitböden und bringt feinere, frischere Weine hervor; das Sottoceneri um Lugano und besonders das Mendrisiotto hat Kalkböden und ein milderes Klima und ergibt vollere, reifere Merlots. Wer den Unterschied verstehen will, degustiert einen Merlot aus dem Sopraceneri neben einem aus dem Mendrisiotto. Die besten reifen in Barriques und entwickeln sich über ein Jahrzehnt, mit Pflaume, Brombeere, Kirsche, Tabak und einem Hauch Schokolade hinter weichen Tanninen. Seit den 1980er-Jahren presst die Region Merlot auch sanft und ohne Schalen zum Bianco di Merlot, einem trockenen, fruchtigen Weisswein, der heute einen beachtlichen Teil der kantonalen Produktion ausmacht.

Bei Tisch verlangt ein roter Merlot nach der Küche des Grotto: Brasato mit Polenta, Luganighe mit Linsen, ein Pilzrisotto, ein Teller Trockenfleisch und Alpkäse. Bei etwa 16 bis 18 Grad servieren. Die weisse Version ist ein Apérowein und passt gut zu Seefisch und Antipasti.

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