Weinregion

Zürich

Zürich, grösster Weinbaukanton der Deutschschweiz: rund 620 Hektaren am Zürichsee, im Weinland und Unterland, Blauburgunder, Riesling-Silvaner, Räuschling.

Rebfläche
rund 620 Hektaren, die grösste der Deutschschweiz
Wichtigste Sorten
Blauburgunder (gut 40 Prozent), Riesling-Silvaner (knapp ein Fünftel), Räuschling, Chardonnay
Böden und Klima
Moräne, Molasse und Kalk; der See und die Flüsse gleichen aus, im Weinland droht Frost
Typische Weine
Räuschling vom Zürichsee, Blauburgunder, Riesling-Silvaner
Wahrzeichen
die Rebhänge am rechten Zürichseeufer und die Klosterinsel Rheinau

Der Kanton Zürich ist mit rund 620 Hektaren Reben der grösste Weinbaukanton der Deutschschweiz, auch wenn man es der Wirtschaftsmetropole nicht ansieht. Die Rebberge verteilen sich auf fünf Gebiete. Das Zürcher Weinland im Norden, um Andelfingen, Flaach und den Stammheimer Zipfel, ist mit rund 220 Hektaren das grösste; hier stehen die Reben zwischen Riegelhäusern an den Hängen von Irchel und Kohlfirst. Das Unterland um Bülach und Dielsdorf umfasst rund 145 Hektaren, der Zürichsee rund 130, darunter rund 15 Hektaren innerhalb der Stadt, Winterthur rund 80 und das Limmattal rund 30. Die Böden wechseln von Moräne und Molasse zu Kalk und Mergel; der See und die Flüsse mildern die Temperaturen, während im Weinland und Unterland ohne grosse Wasserflächen die Frostgefahr grösser ist.

Knapp 60 Prozent der Fläche sind rot. Der Blauburgunder, wie der Pinot Noir hier heisst, belegt gut 40 Prozent und gibt am Zürichsee und im Limmattal dichte, am Rhein eher feine Weine. Bei den Weissen führt der Riesling-Silvaner, der Müller-Thurgau, mit knapp einem Fünftel; die Sorte ist eng mit dem Kanton verbunden, denn ihr Züchter Hermann Müller leitete ab 1891 die Versuchsanstalt in Wädenswil. Die eigentliche Zürcher Spezialität ist jedoch der Räuschling, eine alte, säurebetonte Weisstraube, die schon im Mittelalter am Oberrhein verbreitet war und heute fast nur noch am Zürichsee wächst: Von den rund 28 Hektaren in der Schweiz stehen rund 20 im Kanton Zürich, vor allem am rechten Seeufer um Stäfa und Meilen. Chardonnay, Sauvignon Blanc, Pinot Gris und PIWI-Sorten ergänzen das Sortiment.

Der Weinbau reicht weit zurück: Im 9. Jahrhundert pflanzten Benediktiner auf der Klosterinsel Rheinau Reben, und im späten 19. Jahrhundert war Zürich mit rund 5 600 Hektaren und über 20 000 Rebbauern eines der grössten Weinbaugebiete der Schweiz. Mehltau, Reblaus, Industrialisierung und billige Importweine liessen die Fläche bis 1950 auf wenige hundert Hektaren schrumpfen. Die Erholung kam mit der Qualität: Heute sind viele Zürcher Pinot Noirs und Räuschlinge gesuchte Weine, und die 1999 in Zürich erfundenen Tage der offenen Weinkeller haben sich in der ganzen Schweiz verbreitet.

Zum Trinken: ein Räuschling zu Felchen oder Egli aus dem Zürichsee, ein Blauburgunder zu Zürcher Geschnetzeltem mit Rösti, ein Riesling-Silvaner zu Spargeln aus dem Weinland, ein Federweisser oder Süssdruck zum Apéro im Rebberg.

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