London, 1969: Der britische Weinhandel hat ein Problem. In den Läden und Restaurants verkaufen Menschen Wein, die nie gelernt haben, was in der Flasche ist. Die Vintners’ Company, eine der alten Londoner Zünfte, und der Branchenverband gründen deshalb eine Schule: den Wine & Spirit Education Trust. Im ersten Jahr melden sich weniger als 2 000 Kandidaten, alle in Grossbritannien. Fünfzig Jahre später sind es über 100 000 pro Jahr, in rund 70 Ländern und 15 Sprachen. Aus dem Lehrgang für Verkäuferinnen und Kellner ist die grösste Weinschule der Welt geworden, und ihr Vokabular ist die Sprache, in der die Weinwelt heute degustiert.

Vier Stufen, ein Diplom

Die Schule kennt vier Stufen. Level 1 ist ein Tag: die wichtigsten Rebsorten, wie man einen Wein beschreibt, was zu welchem Essen passt. Level 2 ist der Klassiker für Weinliebhaber: rund 30 Rebsorten, die grossen Regionen, Etikettenkunde, meist drei Kurstage und eine Multiple-Choice-Prüfung. Level 3 verlangt mehr: Warum schmeckt ein Riesling von der Mosel anders als einer aus der Wachau? Hier wird blind degustiert und schriftlich erklärt. Level 4, das Diploma, dauert rund zwei Jahre, besteht aus sechs Modulen von der Weinproduktion bis zum Weingeschäft und ist die übliche Eintrittskarte zum Master of Wine. 2024 traten weltweit rund 2 000 Kandidaten zu einer Diploma-Prüfung an.

Zum Angeben am Apéro

Die WSET begann 1969 mit weniger als 2 000 Kandidaten in Grossbritannien; heute legen jedes Jahr über 100 000 Menschen in rund 70 Ländern eine ihrer Prüfungen ab.

Das Herz der Schule ist der Systematic Approach to Tasting, kurz SAT: ein Raster, das jeden Wein in derselben Reihenfolge abfragt. Aussehen, Nase, Gaumen, Schluss. Säure hoch, mittel oder tief; Tannin, Körper, Abgang; Aromen aus festen Listen, von Zitrone über grünen Apfel bis zu Leder und Pilz. Das wirkt zunächst mechanisch, hat aber einen Zweck: Zwei Menschen in Tokio und Zürich meinen mit «mittelplus Säure» dasselbe. Wer sich einmal durch das Raster degustiert hat, erkennt es überall wieder, in Weinbeschreibungen, in Verkostungsnotizen, in den Erklärungen dieses Quiz.

Der kurze Weg in der Schweiz

Für Schweizer Leserinnen und Leser ist der Weg kurz: WSET-Kurse werden über zugelassene Anbieter auch in der Schweiz unterrichtet, auf Deutsch, Französisch und Englisch. Level 2 ist für die meisten der Punkt, an dem Wein aufhört, Glückssache zu sein: Man liest ein Etikett und weiss, was einen erwartet. Das kleine Pin am Revers verrät übrigens die Stufe, und wer eines trägt, hat am Apéro meist eine Geschichte dazu.