Rebsorte
Riesling
Riesling, die grosse Weisse der kühlen Lagen: Herkunft, Anbau von der Mosel bis Australien, Stile von trocken bis edelsüss und passende Gerichte.
- Farbe
- Weiss
- Herkunft
- Rheinregion; Eltern laut DNA: Gouais Blanc und ein Nachkomme des Traminers; 1435 erstmals erwähnt
- Wichtigste Anbaugebiete
- Deutschland (rund 24 000 Hektaren), Elsass (rund 3 400), Österreich, Australien (Clare Valley, Eden Valley)
- Anbau in der Schweiz
- Eine Rarität mit knapp 30 Hektaren; «Riesling-Sylvaner» ist Müller-Thurgau
- Typische Aromen
- Zitrone, Limette, grüner Apfel, Pfirsich, Blüten, nasser Stein; mit Alter Honig und Petrol
- Klassisch dazu
- Geräucherte Forelle, Choucroute, Schweinefleisch, asiatische Küche; edelsüss zu Obstdesserts
Riesling ist die grosse Weisse der kühlen Lagen: leicht im Körper, hoch in der Säure und doch von einer Tiefe, die nur wenige Sorten erreichen. Die älteste bekannte Erwähnung stammt von 1435: In den Aufzeichnungen des Grafen von Katzenelnbogen in Rüsselsheim am Main tauchen Riesling-Setzreben für einen Weinberg auf. DNA-Analysen führen auf Gouais Blanc, eine im Mittelalter weit verbreitete Traube, und auf einen Nachkommen des Traminers. Aus einer späteren Kreuzung von Riesling mit Madeleine Royale entstand der Müller-Thurgau.
Mit rund 24 000 Hektaren, knapp einem Viertel seiner Rebfläche, hat Deutschland die grösste Rieslingfläche der Welt: auf dem Schiefer der Mosel ebenso wie im Rheingau, in der Pfalz und an der Nahe. Das Elsass folgt mit rund 3 400 Hektaren und baut ihn meist trocken aus, die besten Lagen als Grand Cru. In Österreich zeigen ihn Wachau, Kamptal und Kremstal in Höchstform; ein Smaragd aus der Wachau ist trocken und hat mindestens 12,5 Prozent Alkohol. Im australischen Clare Valley zeigt er viel Limette, im Eden Valley eher Zitrone und Blüten. Weil Riesling den Boden so deutlich abbildet, werden die Unterschiede lesbar: Schiefer an der Mosel, Urgestein in der Wachau, Granit, Kalk und Mergel im Elsass. In der Schweiz ist echter Riesling mit knapp 30 Hektaren eine Rarität. Der «Riesling-Sylvaner» auf Schweizer Etiketten ist Müller-Thurgau, und der Welschriesling ist mit dem Riesling nicht verwandt.
Im Glas ist Riesling vor allem Säure und Duft: Zitrone, Limette, grüner Apfel, Pfirsich, Blüten und eine kühle, steinige Note. Wie süss der Wein ist, steht auf dem Etikett, nicht in der Traube. Ein grosser Teil wird heute trocken ausgebaut; daneben steht das deutsche Prädikatssystem, das die Reife der Trauben von Kabinett über Spätlese und Auslese bis zu Beerenauslese, Trockenbeerenauslese und Eiswein staffelt. Ein fruchtsüsser Mosel-Kabinett hat oft nur 7 bis 8 Prozent Alkohol, und seine Süsse wird von so viel Säure getragen, dass er leicht und frisch bleibt. Mit den Jahren entwickeln gute Weine Honig, Quitte und die berühmte Petrolnote, die von der Verbindung TDN stammt und kein Fehler ist; die besten halten Jahrzehnte. Die Sorte reift spät und verträgt Kälte gut, deshalb fühlt sie sich dort wohl, wo andere nicht mehr ausreifen.
Mit so viel Säure und so wenig Gewicht ist Riesling ein verlässlicher Begleiter bei Tisch. Trocken passt er zu geräucherter Forelle, Fisch in Rahmsauce, Schweinefleisch und Choucroute, mit einer Spur Restsüsse zu scharfer asiatischer Küche, wo die Süsse die Schärfe beruhigt, und edelsüss zu Obstdesserts und Blauschimmelkäse. Einfache Weine trinkt man jung und gut gekühlt, die grossen lässt man ein paar Jahre liegen und serviert sie nicht zu kalt.