Weinregion

Napa Valley

Napa Valley in Kalifornien: Cabernet Sauvignon aus Oakville und Rutherford, das AVA-System und der Sieg beim Judgement of Paris 1976.

Rebfläche
rund 18 000 bis 19 000 Hektaren, mehr als der gesamte Schweizer Weinbau
Wichtigste Sorten
Cabernet Sauvignon (mit Abstand), Merlot, Cabernet Franc, Chardonnay, Sauvignon Blanc
Klima
mediterran: heisse, trockene Sommer, kühle, nasse Winter; Nebel von der San Pablo Bay kühlt den Süden
Typische Weine
Cabernet Sauvignon und Bordeaux-Verschnitte aus Oakville, Rutherford und Stags Leap District; Chardonnay
Meilenstein
Judgement of Paris am 24. Mai 1976; AVA-Status seit 1981

Das Napa Valley ist ein schmales Tal nördlich der Bucht von San Francisco: rund 50 Kilometer lang und an der breitesten Stelle nur wenige Kilometer breit, zwischen dem Mayacamas-Gebirge im Westen und den Vaca-Bergen im Osten. Etwa 18 000 bis 19 000 Hektaren Reben stehen hier, mehr als im ganzen Schweizer Weinbau (rund 14 500 Hektaren), aber nur rund ein Sechstel der Rebfläche von Bordeaux. Das Klima ist mediterran: heisse, trockene Sommer, kühle, feuchte Winter. Von Süden, wo die San Pablo Bay ins Land reicht, ziehen Nebel und kühle Luft ein, sodass der Süden deutlich kühler ist als der geschützte Norden bei Calistoga. Auch die Böden wechseln: Im Süden liegen Ablagerungen der Bucht, im Norden vulkanische Asche und Lava.

Das Napa Valley ist auch ein Lehrstück für das amerikanische Herkunftssystem. Eine AVA, American Viticultural Area, ist ein auf der Karte abgegrenztes Gebiet mit eigenen geografischen Merkmalen; sie sagt nichts über die Qualität und schreibt weder Sorten noch Erträge vor, anders als die europäischen Appellationen. Nach Bundesrecht müssen mindestens 85 Prozent der Trauben aus der genannten AVA stammen, und ein Sortenname verlangt mindestens 75 Prozent dieser Sorte. Das Napa Valley wurde 1981 als AVA anerkannt und umfasst heute mehr als ein Dutzend kleinere AVAs, darunter Oakville, Rutherford und Stags Leap District.

Der Cabernet Sauvignon ist mit Abstand die wichtigste Sorte, ergänzt durch Merlot und Cabernet Franc für Verschnitte nach Bordeaux-Art. Das Herz liegt in der Mitte des Tals, auf der Talsohle bei Oakville und Rutherford, zwei benachbarten AVAs, die beide 1993 anerkannt wurden. Die Böden sind dort Schwemmland und Schotter mit guter Drainage, die Weine dicht, kräftig und tiefdunkel, oft mit 14 Volumenprozent Alkohol oder mehr. In Rutherford sprechen Kenner vom «Rutherford dust», einer staubig-feinkörnigen Gerbstoffnote; in Oakville liegt unter anderem die Lage To Kalon, deren Anfänge in die späten 1860er-Jahre zurückreichen.

Weltbekannt wurde das Tal durch das Judgement of Paris. Am 24. Mai 1976 liess der britische Weinhändler Steven Spurrier in Paris französische Verkoster blind Weine aus Kalifornien und Frankreich bewerten. Bei den Roten gewann der Cabernet Sauvignon 1973 von Stag’s Leap Wine Cellars, bei den Weissen der Chardonnay 1973 von Château Montelena, beide aus dem Napa Valley, vor berühmten Gewächsen aus Bordeaux und Burgund. Der Anlass gilt als der Moment, in dem Kalifornien als Weinland von Weltrang wahrgenommen wurde.

Zum Trinken: Cabernet Sauvignon zu Steak, Lamm vom Grill und reifem Hartkäse; ein Chardonnay aus dem kühleren Süden zu Geflügel und Fisch in Rahmsauce. Napa-Weine sind oft voller und fruchtiger im Stil als ein Bordeaux.

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