Weinregion
Marlborough
Marlborough im Nordosten der Südinsel Neuseelands: das Land des Sauvignon Blanc, mit Wairau und Awatere, Drehverschluss und feinem Pinot Noir.
- Rebfläche
- rund 28 000 Hektaren, etwa 70 Prozent der neuseeländischen Rebfläche
- Wichtigste Sorten
- Sauvignon Blanc; dazu Pinot Noir, Chardonnay, Pinot Gris
- Teilgebiete
- Wairau Valley (Schotter), Southern Valleys (Löss), Awatere Valley (kühler und windiger)
- Klima
- sonnig und trocken, warme Sommer, kühle Nächte durch Meeresbrisen
- Typische Weine
- Sauvignon Blanc mit Passionsfrucht und Stachelbeere, Pinot Noir, Schaumwein nach traditioneller Methode
- Meilenstein
- erste grosse Pflanzungen 1973 (Montana), internationaler Durchbruch mit Cloudy Bay 1985
Marlborough liegt im Nordosten der Südinsel Neuseelands, rund um die Stadt Blenheim, und ist die grösste Weinregion des Landes: Mit rund 28 000 Hektaren stehen hier etwa 70 Prozent der neuseeländischen Reben, und die Region liefert rund drei Viertel der Produktion und den weitaus grössten Teil der Weinexporte. Dabei ist sie jung. Die ersten grossen Rebpflanzungen setzte 1973 die Firma Montana, heute Brancott Estate; international bekannt wurde der Sauvignon Blanc aus Marlborough mit Cloudy Bay, einem Gut, das 1985 gegründet wurde.
Das Klima ist sonnig und trocken, mit warmen Sommern und Herbsten und kühlen Nächten dank der Brisen vom Meer. Die warmen Tage bringen Reife, die kühlen Nächte bremsen den Abbau der Säure und bewahren die Aromen; die Reifeperiode ist lang. Man unterscheidet drei Teilgebiete. Das Wairau-Tal um Blenheim ist der Kern, mit durchlässigen Schotterböden einer Flussebene. Die Southern Valleys an den Wither Hills haben schwerere Böden aus eiszeitlichem Löss. Das Awatere-Tal weiter südlich ist kühler und windiger, die Weine sind straffer und kräuteriger.
Marlborough Sauvignon Blanc ist unverkennbar: Passionsfrucht, Stachelbeere, Grapefruit, Limette und frisch gemähtes Gras, mit lebendiger Säure, meist ohne Holz im Stahltank ausgebaut. Wer den Sauvignon aus Sancerre von der Loire kennt, trifft dieselbe Traube in einer fruchtigeren, tropischeren Variante. In Neuseeland steht Sauvignon Blanc auf knapp zwei Dritteln der Rebfläche und macht den grössten Teil der Exporte aus; zwischen 2003 und 2018 wuchs die Fläche von rund 4 500 auf rund 23 000 Hektaren, auf das Fünffache.
Neuseeland gilt zudem als Pionier des Drehverschlusses für Qualitätswein. Nach 2001 stellten die Produzenten rasch um: Von rund 1 Prozent der Weine wurde der Drehverschluss innerhalb weniger Jahre zum Standard, und heute ist er in Neuseeland die Regel. In der Schweiz kennt man ihn schon länger: Der Stelvin-Verschluss kam in den 1970er-Jahren hier zuerst zum Einsatz, vor allem beim Chasselas.
Pinot Noir ist nach Sauvignon Blanc die zweitwichtigste Sorte Neuseelands. In Marlborough liefert er einerseits fruchtige, seidige Rotweine, anderseits zusammen mit Chardonnay die Basis für Schaumwein nach der traditionellen Flaschengärung, in den auch Champagnerhäuser investiert haben. Am Tisch passt Sauvignon Blanc zu Ziegenfrischkäse, Spargel, Eglifilets und Meeresfrüchten, auch zu Gerichten mit Kräutern, Limette und Chili; Pinot Noir zu Ente, Pilzen und Lachs.