Rebsorte

Pinot Gris

Pinot Gris, im Wallis Malvoisie: die graue Mutation des Pinot Noir, trocken ausgebaut oder als süsser Flétri. Herkunft, Anbau, Charakter und Gerichte.

Farbe
Weiss (graurosa Beeren)
Herkunft
Farbmutation des Pinot Noir; der deutsche Name Ruländer geht auf einen Fund von 1711 in Speyer zurück
Anbau in der Schweiz
Rund 240 Hektaren in allen Regionen; Deutschschweiz, Wallis und Drei-Seen-Land vorne
Typische Aromen
Trocken: Birne, Haselnuss; als Flétri: Quitte, Aprikose, Honig
Klassische Kombination
Trocken zu Pilzgerichten und hellem Fleisch; Flétri zu Blauschimmelkäse und Aprikosentarte
Synonym
Malvoisie (Wallis), Grauburgunder, Ruländer, Pinot Grigio

Pinot Gris ist kein eigenständiger Stammbaum, sondern eine Laune des Pinot Noir: eine Farbmutation, bei der die Beeren nicht blau, sondern graurosa werden. Sie ist in den burgundischen Rebbergen an mehreren Orten unabhängig voneinander aufgetreten. 1711 beschrieb der Speyerer Kaufmann Johann Seger Ruland verwilderte Stöcke in einem Garten in Speyer, weshalb die Sorte in Deutschland lange Ruländer hiess; heute sagt man dort und in der Deutschschweiz Grauburgunder, in Italien Pinot Grigio. Die Schweiz kennt dazu noch einen eigenen Namen, der mehr verwirrt als erklärt: Im Wallis heisst die Sorte Malvoisie.

Mit der griechisch-italienischen Malvasia hat die Walliser Malvoisie genetisch nichts zu tun. Der Name taucht bereits in einem Walliser Rezeptbuch des 17. Jahrhunderts auf, und erst 1869 stellte der Zürcher Chemiker Kohler fest, dass es sich um Pinot Gris handelt. Die Bezeichnung blieb, weil sie für einen Stil steht: Malvoisie wird im Wallis fast immer als Flétri ausgebaut, also aus Trauben, die man am Stock eintrocknen lässt, manchmal mit Edelfäule. Das ergibt goldene, süsse, konzentrierte Weine mit Quitte, Aprikose, Honig und Gewürzen, die nach einigen Jahren im Keller ihre Balance finden. Trocken ausgebaute Versionen werden im Wallis als Pinot Gris etikettiert. Gut 50 Hektaren Malvoisie stehen im Kanton.

Schweizweit sind es rund 240 Hektaren, die sich auf alle Regionen verteilen: gut ein Viertel in der Deutschschweiz, ein Viertel im Wallis, je knapp ein Fünftel im Drei-Seen-Land und in der Waadt, der Rest in Genf und im Tessin. Ausserhalb des Wallis wird die Sorte meist trocken vinifiziert. Dann ist sie ein körperreicher, eher säurearmer Weisswein mit Birne, Haselnuss und einem leicht bitteren Nachhall; manche Betriebe bauen ihn im Holz aus, was ihm Rauch und Cremigkeit gibt. Die Traube reift früh und ist, wie alle Pinots, wegen ihrer kompakten Trauben anfällig für Fäulnis, weshalb sie luftige Hänge braucht.

Am Tisch ist der trockene Pinot Gris ein Allrounder zu hellem Fleisch, Geflügel, Pilzgerichten und Rösti mit Pilzrahmsauce. Der süsse Flétri verlangt Gegenspieler: Blauschimmelkäse, Terrinen, eine Aprikosentarte oder einfach ein Stück Walliser Roggenbrot mit Butter. Trocken serviert man ihn bei 10 bis 12 Grad, süss etwas kühler.

Wer die Sorte in beiden Gesichtern kennenlernen will, kauft eine Malvoisie Flétrie aus dem Wallis und einen trockenen Grauburgunder aus dem Zürcher Weinland oder von der Bielerseeregion und probiert sie nebeneinander. Es ist schwer zu glauben, dass dieselbe Traube dahintersteckt.

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