Weinregion
Graubünden
Graubünden: rund 420 Hektaren im Rheintal, die Bündner Herrschaft mit Fläsch, Maienfeld, Jenins und Malans, Föhn, Pinot Noir und der seltene Completer.
- Rebfläche
- rund 420 Hektaren ohne das Misox, rund 3 Prozent der Schweiz
- Wichtigste Sorten
- Pinot Noir (rund zwei Drittel), Riesling-Silvaner, Chardonnay, Completer, Pinot Gris
- Klima und Böden
- der Föhn, der Traubenkocher, macht die Herrschaft zum wärmsten Weingebiet der Deutschschweiz; Kalkschutt und Kies
- Typische Weine
- Bündner Pinot Noir, Completer, Churer Schiller
- Wahrzeichen
- die Bündner Herrschaft: Fläsch, Maienfeld, Jenins und Malans
Graubünden ist flächenmässig ein kleiner Weinkanton, rund 420 Hektaren ohne das Misox, dessen Reben zur italienischen Schweiz zählen, aber qualitativ einer der angesehensten des Landes. Die Reben begleiten den Rhein von Reichenau und Chur über Trimmis und Zizers bis nach Landquart und weiter in die Bündner Herrschaft, die vier Gemeinden Fläsch, Maienfeld, Jenins und Malans an der Grenze zu St. Gallen und Liechtenstein. Dort liegt der grösste Teil der Fläche; Maienfeld, das Dorf der Heidi-Geschichte, ist die grösste Weinbaugemeinde. Der Name der Herrschaft stammt aus der Zeit, als Maienfeld und Malans Untertanengebiete der Drei Bünde waren.
Das Geheimnis der Herrschaft ist der Föhn. Der warme Fallwind, im Dorf Traubenkocher genannt, fegt im Herbst durch das Rheintal, trocknet die Trauben und treibt die Zuckerwerte hoch; zusammen mit den Bergen, die kalte Winde abhalten, und den grossen Unterschieden zwischen Tag und Nacht macht er die Herrschaft zum wärmsten Weinbaugebiet der Deutschschweiz. Die Böden bestehen aus Kalkschutt, Kies und Lehm, die der Rhein und die Hänge abgelagert haben.
Rund zwei Drittel der Fläche sind Pinot Noir, hier Blauburgunder genannt. Der Überlieferung nach kam die Sorte im 17. Jahrhundert aus Frankreich ins Bündnerland; bis um 1600 hatten weisse Sorten wie der Elbling dominiert. Der Bündner Pinot Noir mit seiner Frische, seiner Frucht und seinem feinen Tannin gilt heute als Massstab für die ganze Schweiz. Dazu kommen Riesling-Silvaner, Chardonnay, Pinot Gris, Sauvignon Blanc, und eine Rarität, die es nur hier gibt: der Completer, eine uralte, säurereiche Weisstraube, die in Malans seit 1321 belegt ist und ihren Namen von der Komplet hat, dem Nachtgebet, nach dem die Churer Domherren den Wein tranken. Noch 1970 standen im Kanton nur rund 200 Hektaren Reben, davon kaum weisse; seither hat sich die Fläche verdoppelt und der Weissweinanteil ist auf fast 30 Prozent gestiegen.
Der Weinbau ist uralt: 765 vermachte Bischof Tello von Chur dem Kloster Disentis einen Rebberg bei Ilanz, und Chur war bis ins späte 19. Jahrhundert die Weinhauptstadt des Kantons. Der Churer Schiller, ein blassroter Wein aus gemeinsam gekelterten roten und weissen Trauben, erinnert daran.
Zum Trinken: ein Bündner Pinot Noir zu Capuns, Pizokel und Bündnerfleisch oder zu Wild, ein gereifter Completer zu Alpkäse, ein Riesling-Silvaner zu Maluns, ein Churer Schiller zum Apéro.