1972 füllte das Waadtländer Haus Hammel nach zwei Jahren Versuchen einen Chasselas unter einem Aluminium-Schraubverschluss ab: Die Sorte litt stark unter Korkton, und die Schweizer Winzer wurden die ersten in Europa, die den Verschluss ernsthaft drehten. Die übrige Weinwelt hielt ihn noch dreissig Jahre lang für einen Verschluss für billigen Wein. Dann stellte im Jahr 2000 eine Gruppe von Riesling-Produzenten im australischen Clare Valley ihren ganzen Jahrgang um, Neuseeland lancierte 2001 seine Screwcap Initiative, und heute sind rund neun von zehn neuseeländischen Weinen so verschlossen.
Ein Feind mit Namen
Der Feind hat einen Namen: 2,4,6-Trichloranisol, kurz TCA, ein Molekül, das entsteht, wenn Pilze im Kork auf Chlorverbindungen treffen. Wenige Nanogramm pro Liter, ein paar Tropfen in einem Schwimmbecken, genügen, damit ein Wein nach nassem Karton riecht und seine Frucht verliert. In den 1990er-Jahren schätzte man jede zwanzigste Flasche als betroffen; die Korkindustrie hat seither ihre Verfahren gereinigt, und Amorim, der portugiesische Marktführer, prüft seit 2016 jeden Korken seiner Spitzenlinien einzeln auf TCA (NDtech). Die Rate ist heute viel tiefer, aber nicht null.
Zum Angeben am Apéro
Die Schweiz war Europas Pionierin des Schraubverschlusses: Das Waadtländer Haus Hammel verschloss 1972 einen Chasselas damit, lange vor Australien und Neuseeland.
Kork selbst ist ein Wunder: die Rinde der Korkeiche, Quercus suber, von Hand alle neun Jahre von Bäumen geschält, die mindestens 25 Jahre alt sind und rund zwei Jahrhunderte leben. Portugal liefert rund die Hälfte des Korks der Welt, Spanien den grössten Teil des Rests, und die Korkeichenwälder des Alentejo sind eine geschützte Landschaft. Naturkork lässt ein Rinnsal Sauerstoff durch; viele glauben, genau das lasse einen Bordeaux oder einen Barolo über Jahrzehnte würdevoll reifen.
Die Alternativen vermehren sich
Die Alternativen haben sich vermehrt. Diam, ein mit überkritischem CO2 gewaschener Presskork, verspricht kein TCA und kommt in Versionen für zwei, zehn oder dreissig Jahre. Glasverschlüsse (Vinolok) und Kunststoffkorken besetzen Nischen. Der Schraubverschluss, Ende der 1950er-Jahre in Frankreich entwickelt und als Stelvin vermarktet, lässt sehr wenig Sauerstoff hinein; Kritiker sprechen von «Reduktion», einer Note von abgebranntem Zündholz oder Gummi in manchen Weinen, und fragen, ob grosse Rote darunter reifen können. Langzeitversuche in Australien sagen: ja, langsamer. Coravin, 2013 lanciert, umgeht die Frage, indem es eine Nadel durch den Korken sticht und unter Argon ausschenkt, sodass eine Flasche monatelang probiert werden kann.
Riechen, nicht urteilen
Für Leserinnen und Leser: Ein Schraubverschluss sagt nichts über die Qualität, ein Korken nichts über den Anspruch. Riechen Sie ins Glas; riecht es nach feuchtem Keller, ist es der Korken, nicht Sie. Geben Sie ihn zurück.
