Weinregion
Waadt
Die Waadt ist das Land des Chasselas: rund 3 750 Hektaren von La Côte über das Lavaux (UNESCO-Welterbe) bis ins Chablais, mit Dézaley und Calamin.
- Rebfläche
- rund 3 750 Hektaren, die zweitgrösste Region der Schweiz
- Wichtigste Sorten
- Chasselas (rund 60 Prozent), Pinot Noir, Gamay, Gamaret, Garanoir
- Böden und Klima
- Kalk und Moräne, gemässigt; der Genfersee speichert Wärme, im Chablais weht der Föhn
- Typische Weine
- Chasselas aus Dézaley, Calamin, Féchy und Yvorne
- Wahrzeichen
- die Terrassen des Lavaux, seit 2007 UNESCO-Welterbe
Die Waadt ist mit rund 3 750 Hektaren Reben die zweitgrösste Weinregion der Schweiz und die einzige, in der die weissen Sorten klar überwiegen: Rund zwei Drittel der Fläche sind weiss, und der Chasselas allein belegt rund 60 Prozent. Die Waadtländer Weine tragen traditionell den Namen ihres Dorfes und nicht der Traube; wer Yvorne, Féchy oder Dézaley bestellt, bekommt fast immer einen Chasselas. Die Reben verteilen sich auf sechs Gebiete: La Côte zwischen Genf und Lausanne ist mit rund 2 000 Hektaren das grösste, das Lavaux östlich von Lausanne umfasst rund 800 Hektaren, das Chablais im Rhonetal um Aigle und Yvorne rund 590, dazu kommen Bonvillars und die Côtes de l’Orbe im Norden sowie der mit Freiburg geteilte Vully am Murtensee.
Das Lavaux ist das Herzstück. Zwischen Lausanne und Montreux steigen Terrassen mit Hunderten Kilometern Trockenmauern steil vom Genfersee auf; die Winzer sprechen von drei Sonnen, der Sonne am Himmel, ihrem Widerschein auf dem See und der Wärme, die die Mauern in der Nacht abgeben. Die Reben gehen auf Zisterziensermönche zurück: 1141 und 1142 schenkte der Bischof von Lausanne den Klöstern Hautcrêt und Montheron die Hänge des Dézaley, die sie rodeten und bepflanzten. Nach der Reformation fielen sie 1536 an Bern und an die Stadt Lausanne, die bis heute den Clos des Abbayes und den Clos des Moines bewirtschaftet. Seit 2007 ist das Lavaux UNESCO-Welterbe.
Dézaley und Calamin sind die beiden Grands Crus des Lavaux und die berühmtesten Lagen des Landes; der Dézaley gibt einen Chasselas mit Rauch, Honig und einer Mineralität, die ihm jahrelange Reife erlaubt. Das Chablais mit seinen kalkhaltigen Böden und dem Föhn liefert kräftigere Weine aus Aigle und Yvorne, La Côte eher leichte, blumige. Bei den Roten dominieren Pinot Noir und Gamay, oft als Salvagnin verschnitten, dazu die Neuzüchtungen Gamaret und Garanoir, die 1970 an der eidgenössischen Forschungsstation in Pully aus Gamay und Reichensteiner entstanden. An der Spitze der Hierarchie stehen die Grands Crus und die Premiers Grands Crus.
In Vevey feiert die Confrérie des Vignerons ungefähr einmal pro Generation die Fête des Vignerons, zuletzt 2019; die erste Krönung der besten Winzer fand 1797 statt, und seit 2016 steht das Fest auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes.
Zum Trinken: ein junger Chasselas von La Côte zu Egli-Filets, ein gereifter Dézaley zu Fondue oder einem reifen Gruyère, ein Yvorne zu Rauchforelle, ein Gamay oder Salvagnin zum Papet vaudois mit Saucisson.