Zwei Freunde, eine Woche, ein altes Saab Cabrio: Miles, gescheiterter Schriftsteller und Weinnarr, und Jack, Schauspieler kurz vor der Hochzeit, fahren ins Santa Ynez Valley nördlich von Santa Barbara. Miles will degustieren, Jack will ein letztes Abenteuer. Alexander Paynes «Sideways» (2004) ist eine Komödie über Männerfreundschaft und Midlife-Krise – und nebenbei der einflussreichste Weinfilm, den Hollywood je gedreht hat.

Eine Liebeserklärung

Sein Herzstück ist eine Liebeserklärung. Miles erklärt Maya, warum er Pinot Noir verehrt: eine dünnhäutige, launische Traube, die nur an wenigen geschützten Orten gedeiht und Geduld braucht, deren Aromen aber flüchtiger und berührender seien als alles andere. Natürlich spricht er über sich selbst. Der Monolog ist auch önologisch korrekt: Pinot Noir reift früh, ist anfällig für Fäulnis und Hitze und liebt kühle Lagen – weshalb er im Burgund, in Oregon, in Neuseeland und eben im nebligen Santa Ynez Valley so gut gedeiht, und in der Schweiz als Blauburgunder die wichtigste rote Sorte ist.

Zum Angeben am Apéro

Miles’ heiligste Flasche, der Cheval Blanc 1961, besteht vor allem aus Cabernet Franc und Merlot – genau der Traube, die er im Film so derb verflucht.

Der Fluch auf den Merlot

Der zweite berühmte Satz ist ein Fluch. Vor einem Abendessen stellt Miles klar, dass er keinen Merlot trinken werde, in deutlich derberen Worten. Die Wirkung war messbar: Eine Studie der Sonoma State University fand für die Jahre nach dem Kinostart in den USA einen Anstieg des Pinot-Noir-Absatzes um rund 16 Prozent, während Merlot leicht verlor, vor allem im Segment unter zehn Dollar. Ökonomen nennen das seither den «Sideways-Effekt»; manche halten ihn für übertrieben, weil Merlot schon vorher an Boden verlor. Die Pointe des Films: Die Flasche, die Miles seit Jahren für den grossen Moment aufspart, ist ein Château Cheval Blanc 1961 aus Saint-Émilion – eine Assemblage aus vorwiegend Cabernet Franc und Merlot.

Nachspiel im Glas

Der Film ist auch ein Reiseführer. Das Hitching Post II in Buellton, in dem Maya serviert, gibt es wirklich, und es füllt seinen eigenen Pinot Noir ab; die Degustationsräume der Region erlebten nach dem Kinostart einen Besucherboom. Bei den Oscars 2005 war «Sideways» fünfmal nominiert und gewann für das beste adaptierte Drehbuch, nach dem Roman von Rex Pickett. Was bleibt für das eigene Glas: Pinot Noir und Merlot sind keine Gegner, sondern zwei Temperamente. Wer Miles’ Monolog ernst nimmt, degustiert beide blind – und stellt vielleicht fest, dass der verfluchte Merlot aus dem Tessin oder aus Pomerol erstaunlich gut schmeckt.