Wein und Spiel gehören seit der Antike zusammen. Am griechischen Symposion spielten die Gäste Kottabos: Halb liegend schleuderten sie den letzten Rest Wein aus ihrer flachen Trinkschale auf eine kleine Scheibe, die auf einem Bronzeständer balancierte, und widmeten den Wurf dem Menschen, den sie liebten. Fiel die Scheibe mit hellem Klang, galt das als gutes Zeichen. Heute steht der Wein auf dem Spieltisch, statt durch den Raum zu fliegen. Hunderte Brettspiele erzählen von Reben, Kellern und Weinhandel, vom schlichten Quiz bis zum Strategiespiel, das einen ganzen Abend füllt. Die meisten sind vergessen; eine Handvoll lohnt sich, auch weil sie nebenbei erstaunlich viel über das Handwerk beibringen.
Vom Rebstock zur Bestellung
Die modernen Weinspiele sind fast alle Aufbauspiele: Man beginnt mit einem bescheidenen Gut und baut es Zug um Zug aus. Den Massstab setzt «Viticulture» von Jamey Stegmaier und Alan Stone (2013), angesiedelt in der Toskana: Man pflanzt Reben, liest, keltert, lässt den Wein im Keller reifen und erfüllt Bestellungen. Das Spiel kennt echte Sorten, von Sangiovese bis Chardonnay, und weiss, dass man einen grossen Keller braucht, bevor man Schaumwein machen kann. Wer es schwerer mag, greift zu «Vinhos» des Portugiesen Vital Lacerda (2010, Neuauflage 2016): neun Weinregionen Portugals, Önologen und eine Weinmesse, an der Experten für Aussehen, Aroma, Geschmack und Alkohol den Ausschlag geben. Leichter und französisch ist «Vignobles» (2017), erfunden von zwei Primarlehrern: Man handelt mit den Weinen Südwestfrankreichs.
Zum Angeben am Apéro
Das älteste Weinspiel ist griechisch: Beim Kottabos schleuderten die Gäste eines Symposions den Weinrest aus der Trinkschale auf ein Ziel und widmeten den Wurf dem Menschen, den sie liebten.
Geld, Wetter und Glück
Andere Spiele nehmen die Wirtschaft ernst. In «Grand Cru» von Ulrich Blum (2010) beginnt jeder mit Bankkrediten, und die Partie endet, sobald jemand seinen letzten Kredit zurückgezahlt hat; es gewinnt, wer dann am meisten Geld besitzt. Vinhos lässt Jahrgangsplättchen über die Qualität entscheiden, so wie in Wirklichkeit das Wetter: In einem schlechten Jahr kann ein Gut leer ausgehen. Was keines dieser Spiele abbildet, ist der Geschmack. Dafür gibt es eine eigene Gattung: Quiz- und Degustationsspiele, Aromakoffer wie Le Nez du Vin und Riechspiele zum Selbermachen, bei denen man blind an Gläsern schnuppert.
Das Spieleregal
Vier Weinspiele vom Familien- bis zum Expertenspiel, und was sie über den Wein lehren.
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Vignobles2017
Fabrice Arcas, Guillaume Peccoz · Ludocom
- 2–4 Spieler
- rund 45 Min.
- Familienspiel
Südwestfrankreich, auf der Rückseite ganz Frankreich
Weinhandel mit den Appellationen einer Region
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Viticulture2013 · Essential Edition 2015
Jamey Stegmaier, Alan Stone · Stonemaier Games
- 1–6 Spieler
- 60–90 Min.
- Kennerspiel
ein altes Gut in ItalienToskana
das Rebjahr: pflanzen, lesen, keltern, reifen lassen, liefern
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Grand Cru2010
Ulrich Blum · eggertspiele
- 2–5 Spieler
- rund 90 Min.
- Kennerspiel
ein Weingut, auf Kredit gebaut
Kredite, Investitionen und Keller, bis der letzte Kredit getilgt ist
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Vinhos2010 · Deluxe Edition 2016
Vital Lacerda · Eagle-Gryphon Games
- 1–4 Spieler
- 90–180 Min.
- Expertenspiel
Portugal, neun RegionenVinho VerdeDouroAlentejo
die Regionen Portugals, Önologen und die Weinmesse
Spielerzahl und Dauer nach den Angaben der Verlage; die Einordnung als Familien-, Kenner- oder Expertenspiel ist eine Einschätzung der Redaktion.
Erst ausleihen, dann kaufen
Wer ein Spiel prüfen will, bevor er es kauft, ist in der Schweiz gut bedient: Rund 350 Ludotheken in der Schweiz und in Liechtenstein leihen Spiele aus wie eine Bibliothek Bücher. Für einen Spielabend mit Wein gilt dieselbe Regel wie für ein Menü: erst das leichte Spiel, dann das schwere, und das Glas auf einen Beistelltisch, denn Karten und Rotwein vertragen sich schlecht. Und wer zwischen zwei Partien ein Handy zur Hand hat: Die Apéro-Runde von Weinquiz ist ebenfalls ein Weinspiel, für bis zu sechs Personen, reihum eine Frage.
