Rebsorte
Sangiovese
Sangiovese, Italiens meistgepflanzte rote Rebsorte: Chianti, Brunello und Vino Nobile, Abstammung, Charakter, Anbaugebiete und passende Gerichte.
- Farbe
- Rot
- Abstammung
- Natürliche Kreuzung aus Ciliegiolo und Calabrese di Montenuovo (DNA-Studie, 2007)
- Hauptanbaugebiete
- Toskana (Chianti Classico, Montalcino, Montepulciano, Maremma), Romagna, Umbrien, Marken, Korsika
- Typische Aromen
- Sauerkirsche, rote Pflaume, Veilchen, getrocknete Kräuter, Tee, Erde
- Klassisch dazu
- Pasta mit Ragù, Bistecca alla fiorentina, Pizza, Pecorino
- Synonyme
- Brunello (Montalcino), Prugnolo Gentile (Montepulciano), Morellino (Scansano), Nielluccio (Korsika)
Sangiovese ist die meistangebaute rote Sorte Italiens, mit mehr als 50 000 Hektaren, und die Grundlage von Chianti, Brunello di Montalcino und Vino Nobile di Montepulciano. Der Name wird meist vom lateinischen sanguis Jovis hergeleitet, dem Blut des Jupiter; die erste wahrscheinliche schriftliche Erwähnung stammt aus dem späten 16. Jahrhundert. Genetisch ist die Sache klarer als sprachlich: Eine DNA-Studie um José Vouillamoz zeigte 2007, dass Sangiovese eine natürliche Kreuzung aus Ciliegiolo, einer alten toskanischen Sorte, und Calabrese di Montenuovo ist, einer seltenen Sorte aus Kampanien. Wo die Kreuzung entstand, weiss niemand.
Sangiovese ist keine einheitliche Sorte, sondern eine Familie vieler Klone. Die Beeren haben dünne Schalen, die in einem nassen Oktober leicht faulen, und die Rebe wächst kräftig, sodass die Erträge gebremst werden müssen. Der Wein ist meist nicht tiefdunkel, hat hohe Säure und mittlere bis kräftige Tannine; typisch sind Sauerkirsche, rote Pflaume, Veilchen, getrocknete Kräuter, Tee und Erde. Je nach Lage und Ausbau reicht der Stil von frisch und fruchtig bis dicht und langlebig.
Die grossen Namen unterscheiden sich vor allem durch ihre Regeln. Der Chianti Classico besteht aus mindestens 80 Prozent Sangiovese, und seit 2006 sind für den Rest nur noch rote Sorten erlaubt; die Annata reift mindestens 12 Monate, die Riserva 24, die Gran Selezione (seit 2014, nur aus Trauben der eigenen Rebberge des Betriebs) 30. In Montalcino heisst die Sorte Brunello, und der Brunello di Montalcino ist zu 100 Prozent Sangiovese: mindestens zwei Jahre im Holz, vier Monate in der Flasche, Verkauf frühestens ab dem 1. Januar des fünften Jahres nach der Lese, die Riserva ein Jahr später. Der Rosso di Montalcino ist die jüngere, günstigere Variante aus denselben Hügeln. Der Vino Nobile di Montepulciano verlangt mindestens 70 Prozent Sangiovese, der dort Prugnolo Gentile heisst, der Morellino di Scansano in der Maremma mindestens 85 Prozent. Ausserhalb der Toskana wächst die Sorte in der Romagna, in Umbrien und in den Marken, auf Korsika als Nielluccio und in Argentinien.
Sangiovese ist ein Essenswein: Säure und Gerbstoffe verlangen nach Tomate, Fett und Eiweiss. Ein einfacher Chianti passt zu Pasta mit Ragù, Pizza und Salami, ein gereifter Brunello zu Bistecca alla fiorentina, Wild und altem Pecorino, am besten dekantiert und bei 16 bis 18 Grad serviert.