Ein Duftkoffer ist teuer, eine Küche hat man schon. Für ein Aromaspiel braucht es ein Dutzend gleicher Gläser, Untertassen zum Abdecken, je eine Flasche einfachen, neutralen Weiss- und Rotwein und dazu, was in der Vorratskammer liegt: Pfeffer, Gewürznelken, Vanille, Zitronen, Beeren, eine grüne Peperoni, ein Beutel Lindenblütentee. In jedes Glas kommt etwas Wein und eine Zutat, rund eine Stunde vor dem Spiel, abgedeckt, damit der Duft im Glas bleibt. Die Gläser bekommen Nummern, die Lösung steht auf einem Zettel. Das Prinzip ist nicht neu: Die Sensorikforscherin Ann C. Noble schlug zu ihrem Aromarad solche Referenzproben vor, und Weinschulen arbeiten bis heute damit.
Vier Spiele für einen Abend
Daraus lassen sich mehrere Spiele machen. Beim Blindriechen geht jedes Glas reihum, und wer den Duft zuerst nennt, bekommt einen Punkt. Beim Aroma-Memory steht jeder Duft zweimal in undurchsichtigen Bechern, und man sucht die Paare mit der Nase. Beim Zuordnen stehen echte Weine neben den Gläsern: Welche Zutat steckt im Sauvignon Blanc, welche im Syrah? Und beim Aroma-Bingo hat jede und jeder eine Karte mit Düften und kreuzt an, was sie oder er im Wein findet. Das dritte Spiel ist für die Degustation das beste, weil es die Düfte dorthin zurückbringt, wo sie hingehören: ins Glas mit dem echten Wein.
Zum Angeben am Apéro
Rund jeder Fünfte riecht den Pfeffer im Syrah nicht: In einer australischen Studie von 2008 nahmen etwa 20 Prozent der Prüfer Rotundon selbst in hoher Konzentration nicht wahr.
Nicht jede Nase gleich
Nicht alle riechen dasselbe. In einer australischen Studie von 2008, die Rotundon als den Pfefferduft des Syrah beschrieb, nahmen rund 20 Prozent der Prüferinnen und Prüfer den Stoff selbst in hoher Konzentration nicht wahr. Solche Lücken heissen spezifische Anosmie, und sie erklären manchen Streit am Tisch. Umgekehrt lässt sich der Geruchssinn trainieren: Beim Riechtraining, das der Dresdner Forscher Thomas Hummel 2009 beschrieb, riecht man zweimal täglich an vier Düften, Rose, Zitrone, Gewürznelke und Eukalyptus. Es wird heute Menschen empfohlen, die ihren Geruchssinn verloren haben, etwa nach einer Virusinfektion. Für das Aromaspiel heisst das: Es gibt keine falschen Nasen, nur ungeübte.
Die Aromabar aus der Küche
Zwölf Gläser für einen Abend: was hineinkommt und welche Traube es zeigt.
- in Weisswein: Apfel- und Birnenschnitz, ein Beutel LindenblütenteeChasselas
- in Weisswein: Grapefruitschale, ein Stück RhabarberPetite Arvine
- in Weisswein: ein Schuss Holunderblütensirup, frisch geschnittenes GrasSauvignon Blanc
- in Weisswein: Zitronen- und Limettenschale, ein Schnitz grüner ApfelRiesling
- in Weisswein: Litschi aus der Dose, ein RosenblattGewürztraminer
- in Weisswein: ein Stück Butter, eine ausgekratzte VanilleschoteChardonnay
- in Rotwein: zerdrückte Erdbeeren und HimbeerenGamayPinot Noir
- in Rotwein: schwarze Kirschen, eine GewürznelkeCornalin
- in Rotwein: ein Löffel Cassiskonfitüre, ein Streifen grüne PeperoniCabernet Sauvignon
- in Rotwein: frisch zerstossener schwarzer PfefferSyrah
- in Rotwein: ein angeschnittener ChampignonPinot Noir
- in Weisswein: ein Stück nasser KartonKorkschmecker
- in Weisswein
- in Rotwein
Etwas Wein und eine Zutat pro Glas, rund eine Stunde vorher, abgedeckt. Der Punkt zeigt den Grundwein.
Die Schweizer Runde
Für eine Schweizer Runde lohnt sich ein eigener Durchgang mit einheimischen Sorten. Apfel, Birne und ein Beutel Lindenblütentee ergeben das Bild des Chasselas, Grapefruitschale und ein Stück Rhabarber das der Petite Arvine, schwarze Kirschen und eine Gewürznelke das des Cornalin. Dazu je ein Glas des echten Weins, und das Spiel wird zur kleinen Degustation durch die Waadt und das Wallis. Wer Fehler kennenlernen will, legt ein Stück nassen Karton in ein Glas: Ähnlich muffig riecht ein Wein mit Korkschmecker. Am Schluss darf getrunken werden, aber aus frisch eingeschenkten Gläsern, nicht aus denen mit den Zutaten.
