Weinregion

Chilenisches Zentraltal

Chiles Zentraltal und seine Küstentäler: Cabernet aus dem Maipo, Carmenère aus Colchagua, kühler Sauvignon Blanc aus Casablanca, ungepfropfte Reben.

Rebfläche
Chile insgesamt rund 125 000 Hektaren Keltertrauben, der grösste Teil im Zentraltal
Wichtigste Sorten
Cabernet Sauvignon (gut ein Viertel der Fläche), Sauvignon Blanc, Merlot, Carmenère, Chardonnay
Klima
mediterran mit trockenen Sommern; Anden im Osten, Küstenkordillere und kalter Humboldtstrom im Westen
Typische Weine
Cabernet Sauvignon aus dem Maipo, Carmenère aus Colchagua, Sauvignon Blanc aus Casablanca
Carmenère
1994 im Maipo als Carmenère erkannt, bis dahin für Merlot gehalten; 1998 offiziell anerkannt
Besonderheit
viele Reben ungepfropft auf eigenen Wurzeln, weil die Reblaus das Land bisher verschont hat

Chiles Weinbau konzentriert sich auf einen schmalen Streifen im Zentrum des Landes, rund um die Hauptstadt Santiago. Zwischen den Anden im Osten und der Küstenkordillere im Westen liegt das Zentraltal, das Valle Central, mit den Unterregionen Maipo, Rapel (mit Cachapoal und Colchagua), Curicó und Maule; hier steht der grösste Teil der rund 125 000 Hektaren, die Chile für Keltertrauben nutzt. Das Klima ist mediterran, mit milden, feuchten Wintern und langen, trockenen, sonnigen Sommern, und die Reben werden mit Schmelzwasser aus den Anden bewässert.

Der Weinbau reicht ins 16. Jahrhundert zurück, als spanische Eroberer und Missionare die ersten Reben brachten. In den 1850er-Jahren kamen Reben aus Bordeaux ins Land: Cabernet Sauvignon, Merlot und Carmenère. Die Reblaus, die im 19. Jahrhundert die europäischen Rebberge zerstörte, hat Chile bisher verschont; Anden, Pazifik und die Atacama-Wüste wirken wie eine Schutzmauer. Deshalb stehen viele Reben ungepfropft auf eigenen Wurzeln, in der Weinwelt ein seltener Fall.

Die Sorte, die Chile unverwechselbar macht, ist der Carmenère. Er stammt aus Bordeaux, wo er nach der Reblauskrise fast verschwand und lange als ausgestorben galt. In Chile wuchs er jahrzehntelang unerkannt zwischen Merlot-Reben. 1994 erkannte der französische Rebenforscher Jean-Michel Boursiquot ihn in einem Weinberg im Maipo-Tal; 1998 wurde die Sorte offiziell anerkannt. Heute hat Chile mit knapp 10 000 Hektaren die grösste Carmenère-Fläche der Welt. Der Wein ist dunkel und würzig, mit roter und schwarzer Frucht und, wenn die Trauben nicht ganz reif sind, einer Note von grüner Paprika; weil die Sorte spät reift, braucht sie lange, warme Herbste.

Drei Namen sollte man kennen. Das Maipo-Tal rund um Santiago ist die klassische Heimat des Cabernet Sauvignon, der mit gut einem Viertel der Rebfläche die wichtigste Sorte des Landes ist; aus dem Alto Maipo am Fuss der Anden kommen kraftvolle, aber frische Weine. Colchagua im Rapel-Gebiet ist für Carmenère, Syrah und füllige Cabernet-Assemblagen bekannt. Casablanca liegt weiter westlich Richtung Pazifik und gehört formal zur Region Aconcagua: Der kalte Humboldtstrom, eine Meeresströmung, die von Süden her an der Küste entlangzieht, bringt Morgennebel und Kühle. Dank dieser Kühlung gedeihen hier, auf rund 33 Grad südlicher Breite, Sauvignon Blanc, Chardonnay und Pinot Noir.

Am Tisch passen Cabernet und Carmenère zu Gegrilltem, Rindsfilet, Lamm und würzigen Gerichten, ein Casablanca Sauvignon Blanc zu Fisch, Meeresfrüchten und Ziegenkäse. Die besten Rotweine aus Maipo und Colchagua gewinnen mit einigen Jahren Flaschenreife.

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