Rebsorte

Carmenère

Carmenère: die vergessene Traube von Bordeaux, 1994 in Chile erkannt. Herkunft, Abstammung, Stil, Anbau in Chile und Italien, Speisen.

Farbe
Rot
Abstammung
Natürliche Kreuzung Cabernet Franc × Gros Cabernet, aus dem Médoc
Wiederentdeckung
1994 in Chile als Carmenère erkannt (zuvor für Merlot gehalten), dort 1998 offiziell anerkannt
Wichtige Anbaugebiete
Chile (rund 10 000 Hektaren), Nordostitalien (Veneto, Friaul), kleine Mengen in Bordeaux
Typische Aromen
Rote und schwarze Früchte, Gewürze, Rauch, Schokolade, grüne Paprika (wenn unreif)
Klassisch dazu
Gegrilltes Fleisch, Schmorgerichte, Pilze, würzige Küche

Carmenère ist die vergessene Traube von Bordeaux. Vor der Reblauskrise gehörte sie zu den Reben des Médoc und der Graves; ihr Name geht auf das französische «carmin», karminrot, zurück, die Farbe ihres Herbstlaubs. Ein alter Bordelaiser Name war «Grande Vidure». Sie ist eine Kreuzung aus Cabernet Franc und Gros Cabernet und damit ein Halbgeschwister von Merlot und Cabernet Sauvignon, die ebenfalls Cabernet Franc als Elternteil haben.

Aus Bordeaux verschwand sie fast ganz. Nach Mehltau und Reblaus im 19. Jahrhundert fühlte sie sich auf Unterlagen veredelt weniger wohl: Sie blühte schlecht, brachte kleine und unsichere Erträge und reifte spät. Wenige Winzer pflanzten sie neu; Merlot und die Cabernets nahmen ihren Platz ein.

Chile hat sie gerettet, ohne es zu wissen. Im 19. Jahrhundert kamen Stecklinge aus Bordeaux ins Land, und die Reben wurden unter dem Namen Merlot gepflanzt, oft gemischt. Anfang der 1990er-Jahre fiel auf, dass sich manche «Merlot»-Parzellen anders verhielten. 1994 erkannte der französische Ampelograph Jean-Michel Boursiquot die Sorte als Carmenère, 1998 wurde sie in Chile offiziell anerkannt. Heute zählt Chile rund 10 000 Hektaren, vor allem in Colchagua, Maule und Cachapoal, und damit den grössten Teil der Weltfläche.

Im Glas ist Carmenère dunkel und weich, mit Aromen von roten und schwarzen Früchten, Gewürzen, Rauch und Schokolade. Die Traube treibt und blüht einige Tage nach Merlot und reift spät, zwei bis drei Wochen nach ihm; ist sie nicht ganz reif, dominieren grüne Paprika und Kräuter, eine Frage der Pyrazine wie bei den Cabernets. In gemischten Pflanzungen war die Lese ein Dilemma: Wartete man auf den Carmenère, wurde der Merlot überreif, las man früher, blieb der Carmenère grün. Voll ausgereift und bei massvollem Ertrag ergibt sie Weine mit weicheren Tanninen als Cabernet Sauvignon, die besser zu würziger Küche passen.

In Italien wurde sie im Nordosten, im Veneto und in Friaul, lange für Cabernet Franc gehalten und ist dort bis heute verbreitet; in den Colli Berici bei Vicenza trägt ein DOC-Wein ihren Namen, der Colli Berici Carmenère. Bei Tisch passt sie zu gegrilltem Fleisch, Schmorgerichten, Pilzen und gewürzten Speisen; dank der weichen Tannine verträgt sie auch Gemüsegerichte mit Paprika und scharfe Würze. Man serviert sie bei 16 bis 18 Grad.

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