Dealu Mare heisst «der grosse Hügel», und der Name trifft es genau. Zwischen Ploiești und Buzău, nordöstlich von Bukarest, fallen die letzten Ketten der Karpaten zur walachischen Ebene ab, in einem Band südexponierter Hänge von rund 65 Kilometern Länge und 3 bis 12 Kilometern Breite, von etwa 130 Metern am Rand der Ebene bis 550 Metern unterhalb des Waldes. Der 45. Breitengrad läuft hindurch, der Breitengrad von Bordeaux. Das Klima ist kontinental, mit heissen Sommern und kalten Wintern, doch die Hügel im Rücken schützen die Reben vor den Nordwinden; die Herbste sind meist mild und trocken. Im Westen, um Valea Călugărească, sind die Böden rötlich braun und eisenreich, im Osten, um Pietroasa, herrschen Kalk und Sand vor. Mit rund 15 000 Hektaren ist dies das Rotweinland Rumäniens.

Die schwarze Jungfer

Die einheimische rote Sorte ist die Fetească Neagră, die «schwarze Jungfer», eine alte Rebsorte des Landes: tiefes Rubinrot, Cassis und Dörrpflaume, 12 bis 14 Volumenprozent, ein würziger Abgang, der mit den Jahren weicher wird. Daneben stehen Merlot, Cabernet Sauvignon und Pinot Noir; die Reblaus wurde 1884 in Chitorani entdeckt, mitten in dieser Region. Die Weissen sind die Fetească Regală, ein um 1920 in Siebenbürgen gefundener natürlicher Abkömmling der Fetească Albă, die Fetească Albă selbst und die Tămâioasă Românească, der rumänische Muskateller, benannt nach tămâie, dem Weihrauch. Ihre Heimat ist das Ostende des Streifens bei Pietroasa, wo eine Forschungsstation von 1893 die süsse, goldene Tămâioasă pflegt und wo 1837 ein gotischer Goldschatz ans Licht kam.

Im Glas

Die Rebsorten, für die die Region bekannt ist, nach Süsse, Säure, Tannin und Körper.

RebsorteSüsseSäureTanninKörper
Cabernet Sauvignontrockenmittel bis hochmittel(+) bis hochmittel bis voll
Merlottrockenmittel(−) bis mittelmittel(−) bis mittel(+)mittel bis voll
Pinot Noirtrockenmittel(+) bis hochniedrig bis mittelleicht bis mittel
Muscattrocken bis edelsüssmittel(−) bis mittelweiss, ohne Tanninleicht bis voll

Typische Spannen jeder Sorte weltweit, nicht allein in dieser Region, nach dem Degustationsraster des WSET (Level 3, 2022): von trocken bis edelsüss, von niedrig bis hoch, von leicht bis voll. Der Punkt vor dem Namen zeigt die Farbe einer typischen Flasche.

Mönche, Genossen und ein Graf

An diesen Hügeln wird seit Jahrhunderten Wein gemacht, und Valea Călugărească heisst «Tal der Mönche». Im Kommunismus wurden die Rebberge kollektiviert und auf Menge bewirtschaftet; nach 1989 gingen sie, oft in kleinen Parzellen, an die früheren Eigentümer und ihre Erben zurück. Der französische Graf Guy Tyrel de Poix gründete 1994 in Ceptura das Weingut SERVE, eines der ersten privaten Güter nach der Wende; Davino und Budureasca sind weitere private Güter der Region, und 2008 gründete die toskanische Familie Antinori mit Partnern in Vadu Săpat Viile Metamorfosis. Das nationale Forschungsinstitut für Weinbau arbeitet in Valea Călugărească. Rumänien insgesamt hat rund 187 000 Hektaren Reben (OIV 2023), mehr als jedes EU-Land ausser Spanien, Frankreich und Italien und rund dreizehnmal so viel wie die Schweiz. Das Gesetz stuft einen DOC-Wein nach der Reife seiner Trauben ein: CMD für Vollreife, CT für Spätlese, CIB für edelfaule Trauben; unter der DOC steht die IG, die geografische Angabe.

Grössenvergleich

15 000 ha Dealu Mare hat rund 1,0× so viele Reben wie die ganze Schweiz.

Ein Quadrat ist die ganze Schweiz: rund 14 350 Hektaren Reben.

Zu Sarmale und Grilliertem

Im Glas ist die Fetească Neagră dunkel und grosszügig, ohne schwer zu sein: Bei 16 bis 18 Grad passt sie zu Sarmale, den rumänischen Krautwickeln, zu grillierten Mici, Lamm oder einem reifen Hartkäse; die Cabernet-Merlot-Cuvées aus Ceptura und Tohani mögen eine Stunde in der Karaffe. Eine süsse Tămâioasă aus Pietroasa, bei 8 bis 10 Grad, begleitet ein Stück Cozonac; eine trockene Fetească Regală, gut gekühlt, Flussfisch.