In Dobrovo in den Brda überqueren die Rebberge die Grenze, ohne es zu merken. Dieselben Hügel aus Opoka, einem Flysch aus Mergel und Sandstein, setzen sich westwärts als italienischer Collio fort; die 1947 gezogene Linie schnitt sie entzwei, und das Weingut Movia, seit 1820 in der Familie Kristančič, bewirtschaftet noch heute Reben auf beiden Seiten. Primorska, das Küstenland, ist Sloweniens Westen: vier Bezirke mit rund 6 300 Hektaren, gut zwei Fünftel der Reben des Landes. Goriška Brda hat davon rund 1 800, das Vipava-Tal 2 100, das slowenische Istrien um Koper 1 800 und der Karst knappe 560. Das Klima ist submediterran, zwischen Alpen und Adria, mit der Burja, der Bora, die im Winter in Böen von über 200 km/h durch das Vipava-Tal fegen kann.
Rebula, bernsteinfarben
Die Traube der Brda ist die Rebula, die Ribolla Gialla des Collio: eine säurebetonte Weisse, die etwas anderes wird, wenn sie auf den Schalen vergärt. Bernsteinfarben, gerbstoffreich, mit Noten von Tee, Dörraprikose und Baumnuss haben diese Orange Wines ihre Wurzeln in Georgien, Slowenien und im Friaul, wo Josko Gravner und Stanko Radikon in Oslavia die Methode in den 1990er-Jahren wiederbelebten; in den Brda gehören Movia und Kabaj in Šlovrenc mit seinen Amphorenweinen zur selben Familie. Neben der Rebula wachsen Sauvignon Blanc, Sivi Pinot, Chardonnay und Merlot, mit dem Refošk einer der beiden wichtigsten Roten des Küstenlands. Das Vipava-Tal bewahrt zwei eigene leichte Weisse, Zelen und Pinela.
Im Glas
Die Rebsorten, für die die Region bekannt ist, nach Süsse, Säure, Tannin und Körper.
| Rebsorte | Süsse | Säure | Tannin | Körper |
|---|---|---|---|---|
| Sauvignon Blanc | trocken | mittel(+) bis hoch | weiss, ohne Tannin | mittel(−) bis mittel |
| Pinot Gris | trocken bis fast trocken, auch süss | mittel(−) bis mittel | weiss, ohne Tannin | mittel(−) bis voll |
| Chardonnay | trocken | mittel bis hoch | weiss, ohne Tannin | mittel(−) bis voll |
| Furmint | trocken bis edelsüss | hoch | weiss, ohne Tannin | mittel bis voll |
| Merlot | trocken | mittel(−) bis mittel | mittel(−) bis mittel(+) | mittel bis voll |
Typische Spannen jeder Sorte weltweit, nicht allein in dieser Region, nach dem Degustationsraster des WSET (Level 3, 2022): von trocken bis edelsüss, von niedrig bis hoch, von leicht bis voll. Der Punkt vor dem Namen zeigt die Farbe einer typischen Flasche. Umrandet: ein süsser Stil neben den trockenen Weinen.
Teran, ein Name vor Gericht
Der Kras ist die Kalkhochebene, die der Welt das Wort Karst gab. In ihren Mulden liegt rote Terra rossa, und darauf wächst der Refošk, der hier zum Teran wird: tiefviolett, scharf, mit Eisengeschmack, jung getrunken zum Pršut, dem seit 2012 in der EU geschützten Karstschinken. Auf derselben Hochebene steht Lipica, das 1580 gegründete Gestüt, das die Lipizzaner hervorbrachte. Teran ist auch der Name eines europäischen Streits: Slowenien schützt ihn als Bezeichnung des Karsts, Kroatien verwendet ihn in Istrien. 2017 erlaubte die Europäische Kommission kroatischen Etiketten das Wort nur neben der geschützten Bezeichnung Hrvatska Istra, in kleinerer Schrift; Slowenien klagte, und im September 2020 wies das Gericht der EU die Klage ab.
Grössenvergleich
6 300 ha Primorska hat rund 44 % der Schweizer Rebfläche.
Ein Quadrat ist die ganze Schweiz: rund 14 350 Hektaren Reben.
Ein Land, drei Weinregionen
Slowenien hat rund 14 600 Hektaren Reben im Register, etwa so viel wie die Schweiz, und drei Regionen. Posavje an der Save macht den Cviček, die leichte Dolenjska-Mischung aus weissen und roten Trauben; Podravje an der Drau ist das Land des Laški rizling, des Šipon, wie der Furmint hier heisst, und der Stara trta von Maribor, der über 400 Jahre alten Žametovka-Rebe, die das Guinness-Buch seit 2004 als älteste der Welt führt. Primorska, die wärmste der drei, ist die Heimat des slowenischen Refošk.
Eine frische Rebula serviert man bei 10 Grad zu Forelle oder Spargel, eine mazerierte bei 12 bis 14 zu reifem Käse oder einem Pilzrisotto; den Teran bei 15 bis 16 Grad zu Pršut und Jota; einen Merlot aus den Brda zu Wild.