Landeinwärts von Poreč ist die Erde zwischen den Reben rot wie Backstein. Istrien, die grösste Halbinsel der Adria, liegt zwischen Triest und Rijeka, zu neun Zehnteln kroatisch, und die Istrier teilen sie nach Farben ein. Das rote Istrien ist die Westküste, wo Terra rossa den Kalk bedeckt; das graue Istrien sind die Flyschhügel aus Mergel und Sandstein um Motovun und Buje; das weisse Istrien der steinige Karst im Nordosten. Das Meer auf drei Seiten macht das Klima mediterran; aus Nordosten kommt die Bora, ein kalter, trockener Wind, dessen Böen 100 km/h übersteigen können; die Reben steigen von der Küste bis in die Hügel des Landesinneren. Der kroatische Teil hat heute rund 3 000 Hektaren Reben, ein Bruchteil dessen, was vor der Reblaus wuchs.
Malvazija, frisch oder mazeriert
Mehr als die Hälfte davon ist Malvazija Istarska, die hier seit dem Mittelalter wächst. Das meiste wird frisch im Stahltank ausgebaut: Akazienblüte, grüner Apfel, Bittermandel und eine salzige Linie. Ein kleinerer Teil wird wochen- oder monatelang auf den Schalen mazeriert und kommt bernsteinfarben aus dem Keller, wie die Orange Wines des Friauls und Sloweniens. Der Rote ist der Teran aus der Refosco-Familie: tiefviolett, scharf, mit einem Geschmack nach Eisen, der Wein zum Pršut, dem luftgetrockneten Schinken. Slowenien schützt den Namen für seinen Karst, deshalb dürfen kroatische Etiketten ihn nach einer EU-Verordnung von 2017 nur neben der geschützten Ursprungsbezeichnung Hrvatska Istra tragen. Auch der Merlot gedeiht hier gut.
Im Glas
Die Rebsorten, für die die Region bekannt ist, nach Süsse, Säure, Tannin und Körper.
| Rebsorte | Süsse | Säure | Tannin | Körper |
|---|---|---|---|---|
| Zinfandel | trocken, auch süss | mittel(−) bis mittel | mittel(−) bis mittel | mittel bis voll |
| Merlot | trocken | mittel(−) bis mittel | mittel(−) bis mittel(+) | mittel bis voll |
| Chardonnay | trocken | mittel bis hoch | weiss, ohne Tannin | mittel(−) bis voll |
| Muscat | trocken bis edelsüss | mittel(−) bis mittel | weiss, ohne Tannin | leicht bis voll |
Typische Spannen jeder Sorte weltweit, nicht allein in dieser Region, nach dem Degustationsraster des WSET (Level 3, 2022): von trocken bis edelsüss, von niedrig bis hoch, von leicht bis voll. Der Punkt vor dem Namen zeigt die Farbe einer typischen Flasche. Umrandet: ein süsser Stil neben den trockenen Weinen.
Venedig, Wien, Rom, Belgrad
Venedig, das Poreč 1267 und bis Mitte des 14. Jahrhunderts die übrigen reichen Küstenstädte nahm, hinterliess Stadtmauern und Campanili; 1797 fiel das venezianische Istrien an die Habsburger, nach dem Ersten Weltkrieg kam die Halbinsel an Italien, 1947 an Jugoslawien, und seit 1991 ist sie Kroatiens westliche Ecke. Die Jahrzehnte der Genossenschaften brachten Menge; die Renaissance begann in den 1990er-Jahren mit kleinen Familienbetrieben, und heute arbeiten hier rund 250 Weingüter, mehr als 120 davon in Vinistra, dem 1994 gegründeten Winzerverband, der jeden Mai seine Messe in Poreč abhält. Der Wald unterhalb von Motovun liefert weisse und schwarze Trüffel, und das slowenische Istrien um Koper fügt weitere 1 800 Hektaren Refošk und Malvazija hinzu.
Grössenvergleich
3 000 ha Istrien hat rund 21 % der Schweizer Rebfläche.
Ein Quadrat ist die ganze Schweiz: rund 14 350 Hektaren Reben.
Dalmatien und der Zinfandel
Kroatien insgesamt hat rund 20 000 Hektaren Reben, und seine andere grosse Region ist Dalmatien, die Heimat des Plavac Mali. Auf der Halbinsel Pelješac wurden die steilen Hänge von Dingač über dem Meer 1961 unter jugoslawischen Staatsschutz gestellt, das benachbarte Postup 1967; ihre Weine sind tanninreich und kraftvoll. DNA-Analysen der Universität Kalifornien in Davis zeigten in den 1990er-Jahren, dass Zinfandel und der apulische Primitivo eine Sorte sind; 2001 erwiesen sich alte Reben in Kaštel Novi als dieselbe Traube, Crljenak Kaštelanski, schon im 15. Jahrhundert als Tribidrag verzeichnet, und der Plavac Mali entpuppte sich als ihr Nachkomme mit Dobričić.
Fuži, Trüffel, Pršut
Einen frischen Malvazija serviert man bei 10 bis 12 Grad zu Scampi, grilliertem Fisch oder Fuži, der istrischen Pasta, mit gehobeltem Trüffel; einen mazerierten etwas wärmer, zu Schafkäse. Der Teran will 15 bis 16 Grad und einen Teller Pršut oder eine Schale Jota, den Eintopf aus Bohnen und Sauerkraut.