Weinregion

Priorat

Priorat in Katalonien: steile Terrassen auf Schiefer, alte Garnacha- und Cariñena-Reben und dichte, konzentrierte Rotweine mit Charakter.

Rebfläche
gut 2 000 Hektaren auf rund 17 600 Hektaren Gebiet; zwölf Weinbaudörfer und -zonen
Wichtigste Sorten
Garnatxa (Grenache, Garnacha) und Carinyena (Cariñena, Carignan); dazu Cabernet Sauvignon, Syrah, Merlot
Boden und Lage
Llicorella (dunkler Schiefer); 100 bis 750 Meter, Hänge bis 60 Prozent steil
Status
Denominació d’Origen Qualificada (DOQ), nach der Rioja die zweite Spaniens
Herkunftsstufen
DOQ Priorat, Vi de Vila, Vi de Paratge, Vinya Classificada, Gran Vinya Classificada
Wahrzeichen
die Kartause Scala Dei, gegründet 1194

Das Priorat ist ein kleines Berggebiet in Katalonien, in der Provinz Tarragona, am Fuss der Serra de Montsant. Von den knapp 17 600 Hektaren des Gebiets sind nur gut 2 000 mit Reben bepflanzt. Sie wachsen zwischen 100 und 750 Metern auf Hängen, die meist mehr als 15 Prozent und stellenweise bis zu 60 Prozent geneigt sind. Wo es zu steil ist, haben die Winzer Terrassen angelegt, manche so schmal, dass nur zwei Rebzeilen Platz haben und keine Maschine fahren kann. Wer die Terrassen im Wallis oder im Lavaux kennt, erkennt das Prinzip wieder.

Den Boden nennt man Llicorella: ein dunkler Schiefer aus dem Erdaltertum, der in dünne Platten bricht und kaum Erde bildet. Die Wurzeln müssen tief in die Spalten dringen, und jeder Rebstock bringt im Durchschnitt weniger als ein Kilo Trauben. Dazu kommen ein sonniges, regenarmes Klima und grosse Temperaturunterschiede. Die Lese zieht sich von Mitte September in den tiefen Lagen bis Ende Oktober oder Anfang November in den höchsten hin.

Zwei Sorten prägen das Priorat: die Garnatxa, bekannt als Grenache oder Garnacha, und die Carinyena, auf Spanisch Cariñena, auf Französisch Carignan. Daneben sind Cabernet Sauvignon, Syrah, Merlot und weitere Sorten zugelassen, doch die beiden alten Sorten gelten als das Erbe des Gebiets. Die Weine sind dicht, dunkel und konzentriert, mit schwarzen Früchten, Kräutern, Gewürzen und kräftigem Tannin.

Die Kartäuser des Klosters Scala Dei, 1194 gegründet, entwickelten hier den Weinbau mit neuem Wissen und neuen Techniken weiter. Nach der Reblaus und der Abwanderung der Landbevölkerung in die Städte ging er stark zurück; erst Ende der 1980er-Jahre begann ein neuer Aufschwung, getragen von Winzern, die die alten Reben und die steilen Hänge wiederentdeckten. Als Denominació d’Origen Qualificada (DOQ, auf Spanisch DOCa) steht das Priorat nach der Rioja in der obersten Kategorie der spanischen Herkunftsbezeichnungen.

Seit 2019 ordnet das Priorat seine Weine nach Herkunft: die Basisstufe DOQ Priorat, der Vi de Vila aus einem der zwölf Dörfer oder Weinbauzonen, der Vi de Paratge aus einer abgegrenzten Lage, die Vinya Classificada und, an der Spitze, die Gran Vinya Classificada. Für diese oberste Stufe gelten die strengsten Vorgaben: Eine Gran Vinya Classificada darf höchstens 3 000 Kilo Rotweintrauben pro Hektare liefern, und mindestens 80 Prozent der Reben müssen 35 Jahre oder älter sein. Die kräftigen Rotweine passen zu Wild, Schmorbraten, Lamm und würziger Wurst.

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