Weinregion

Provence

Das Land des blassen Rosés: über 27 000 Hektaren in drei grossen AOC, dazu Bandol und Cassis, Sonne, Mistral und Weinbau seit rund 2 600 Jahren.

Rebfläche
über 27 000 Hektaren in den drei grossen AOC, rund 90 Prozent der Rebfläche der Region für Rosé
Wichtigste Sorten
Grenache, Cinsault, Syrah, Mourvèdre, Tibouren; weiss: Rolle (Vermentino)
Klima und Böden
mediterran: rund 2 800 Sonnenstunden, trockener Mistral; Kalk im Westen, kristallines Gestein im Osten
Typische Weine
Côtes de Provence, Coteaux d’Aix-en-Provence, Coteaux Varois, Bandol, Cassis
Geschichte
Griechen aus Phokaia gründen um 600 v. Chr. Marseille und bringen die Rebe mit

Die Provence ist die Heimat des blassen Rosés: Rund 90 Prozent der Rebfläche sind dem Rosé gewidmet, und die Region liefert rund 40 Prozent des französischen AOP-Rosés. Die drei grossen Appellationen Côtes de Provence, Coteaux d’Aix-en-Provence und Coteaux Varois en Provence umfassen zusammen über 27 000 Hektaren, verteilt über rund 200 Kilometer im Hinterland der Mittelmeerküste. Die Côtes de Provence, seit 1977 eine AOC, sind mit rund 20 000 Hektaren die grösste Appellation und kennen fünf Untergebiete, darunter Sainte-Victoire, Fréjus und La Londe. Rund 5 Prozent des weltweit erzeugten Rosés stammen aus der Provence.

Das Klima ist mediterran, mit rund 2 800 Sonnenstunden im Jahr und dem Mistral, einem trockenen Wind, der die Reben kühlt und vor Krankheiten schützt. Im Westen und Norden liegt Kalkstein, im Osten kristallines Gestein der Maures und des Tanneron; die Böden sind karg, aber gut drainiert.

Die Rosés sind hell, trocken und frisch, mit Erdbeere, Zitrus und Kräutern. Sie stammen meist von Grenache, Cinsault und Syrah, dazu kommen Mourvèdre, Tibouren, eine typische Sorte der Provence, und etwas Rolle, wie der Vermentino hier heisst. Die Farbe entsteht allein durch die Beerenhaut; deshalb pressen die Kellermeister die Trauben direkt oder lassen sie nur wenige Stunden auf der Maische.

Neben dem Rosé stehen zwei Spezialitäten. Bandol, rund 1 600 Hektaren auf Terrassen, den restanques, über dem Meer in acht Gemeinden, gehört dem Mourvèdre: Die Roten müssen mindestens 50 Prozent davon enthalten und mindestens 18 Monate im Holzfass reifen; sie sind dunkel, würzig und langlebig. Cassis, rund 200 Hektaren am Meer, zählt zu den ersten französischen Appellationen (1936) und liefert heute vor allem Weisswein.

Die Geschichte ist alt: Griechen aus Phokaia gründeten um 600 v. Chr. Marseille und brachten die Rebe nach Gallien; die Provence nennt sich gern die älteste Weinregion Frankreichs. Im Mittelalter pflegten Abteien wie Saint-Victor in Marseille und Le Thoronet den Weinbau, und ab 1880 traf die Reblaus auch die Provence; gerettet wurden die Reben durch das Pfropfen auf amerikanische Unterlagen. Auch die Schweiz kennt einen blassen Rosé, den Œil-de-Perdrix aus Pinot Noir, ursprünglich aus Neuenburg, mit ähnlichem Prinzip: leichte Farbe, frische Frucht. Zu Tisch passt Rosé zu Salaten, Gemüse, Fisch, Bouillabaisse und Aïoli, Bandol zu Lamm, Schmorgerichten und Wild, weisser Cassis zu Fisch.

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