Weinregion
Rhône
Von der Côte-Rôtie bis Châteauneuf-du-Pape: Syrah im Norden, Grenache im Süden, über 60 000 Hektaren an der Rhone, die im Wallis entspringt.
- Rebfläche
- über 60 000 Hektaren, davon nur rund 4 600 in den nördlichen Crus
- Wichtigste Sorten
- Norden: Syrah, Viognier, Marsanne, Roussanne; Süden: Grenache, Syrah, Mourvèdre, Cinsault
- Klima und Böden
- Norden kontinental auf steilem Granit; Süden mediterran, vom Mistral gekämmt, auf Kiesel und Kalk
- Typische Weine
- Côte-Rôtie, Hermitage, Cornas, Condrieu, Châteauneuf-du-Pape, Gigondas, Tavel, Côtes du Rhône
- Wahrzeichen
- Hermitage: ein einziger Granithügel über Tain-l’Hermitage mit rund 140 Hektaren
Die Rhone entspringt am Rhonegletscher im Wallis, wo an ihren Hängen die Rebberge des Schweizer Rhonetals liegen, fliesst durch den Genfersee und verlässt die Schweiz bei Genf. In Frankreich nimmt sie bei Lyon die Saône auf und läuft in einem langen Tal ans Mittelmeer. Entlang dieses Abschnitts, von Vienne südlich von Lyon bis über Avignon hinaus, wachsen über 60 000 Hektaren Reben, womit das Rhônetal zu den grossen Appellationsregionen Frankreichs zählt. Zwei sehr verschiedene Welten teilen es unter sich: der schmale, steile, kontinentale Norden und der breite, mediterrane Süden, den der Mistral kämmt. Der Norden ist klein; seine Crus bedecken zusammen nur rund 4 600 Hektaren.
Im Norden stammen die Roten fast ausschliesslich von der Syrah, die auf sehr steilen Granitterrassen wächst. Die Côte-Rôtie, die «geröstete Hanglage», ist die nördlichste Appellation; neben der Syrah dürfen bis zu 20 Prozent Viognier stehen, was dem Wein Duft und Feinheit gibt. Die Hermitage ist ein einziger Granithügel über Tain-l’Hermitage mit rund 140 Hektaren, aus dem langlebige Rote und weisse Weine aus Marsanne und Roussanne kommen. Cornas ist reine Syrah, dunkel und kraftvoll; Condrieu ist reiner Viognier mit Aprikose und Veilchen und war in den 1950er-Jahren bis auf rund ein Dutzend Hektaren geschrumpft. Heute sind es wieder gut 200.
Im Süden dominiert die Grenache, begleitet von Syrah, Mourvèdre und Cinsault. Der Mistral hält die Trauben trocken und gesund, die Sonne bringt sie sehr reif: Die Weine sind warm und würzig, mit Kirsche, Pfeffer und Kräutern der Garrigue. Der bekannteste Name ist Châteauneuf-du-Pape, benannt nach dem «neuen Schloss» der Päpste von Avignon aus dem 14. Jahrhundert. Das Reglement lässt 13 Sorten zu (18, wenn man die Farbvarianten einzeln zählt); fast alle Weine sind rot, Weisse sind eine Rarität. Die galets roulés, grosse runde Kiesel, speichern tagsüber Wärme und geben sie nachts an die Reben ab. Gigondas, Vacqueyras, Cairanne und Rasteau sind weitere Crus; Tavel ist ein reiner Rosé-Cru.
Die Qualitätsstufen sind übersichtlich. Côtes du Rhône und Côtes du Rhône Villages zusammen machen über die Hälfte der Fläche aus; gut 20 Dörfer dürfen ihren Namen an «Villages» anhängen, und die Crus tragen eine eigene Appellation mit strengeren Regeln. Etwa drei Viertel der Weine sind rot, der Rest teilt sich in Rosé und Weisswein.
Zu Tisch: Ein einfacher Côtes du Rhône passt zu Grilladen, Wurstwaren und Hartkäse, Châteauneuf-du-Pape und Gigondas zu Lamm und Wild, Côte-Rôtie und Hermitage zu Schmorgerichten und Pfeffersteak, Condrieu zu Spargel oder Geflügel in Rahmsauce. Ein Schweizer Bezug liegt nahe: Syrah wächst im Wallis seit den 1920er-Jahren, und die Marsanne heisst dort Ermitage. Einen Walliser Syrah neben einem Saint-Joseph oder Crozes-Hermitage zu degustieren, zeigt gut, was Klima und Boden ausmachen.