Unter der Kleinstadt Sant Sadurní d’Anoia liegen Kilometer von Kellergängen. Hier füllte Josep Raventós vom Haus Codorníu 1872 nach dem Vorbild der Champagne die Flaschen ab, die als erster Cava gelten. Heute stammen rund 95 Prozent des Cava aus dem Penedès, der grösste Teil aus dieser einen Stadt. Die beiden Riesen stehen hier: Codorníu, dessen Familienchronik bis 1551 zurückreicht und dessen Jugendstilkeller Puig i Cadafalch entwarf, und Freixenet, 1914 gegründet, das als grösster Erzeuger flaschenvergorener Schaumweine der Welt gilt und seit 2018 zur deutschen Henkell-Gruppe gehört.

Vom Strand bis auf 800 Meter

Der Penedès ist Kataloniens Weinküste zwischen Barcelona und Tarragona und steigt in drei Stufen an. Der Penedès Marítim mit dem Baix Penedès liegt unter 250 Metern, warm und mild. Der Penedès Central bis rund 500 Meter ist das Land von Xarel·lo und Macabeo, der Grundweine des Cava. Der Penedès Superior im Alt Penedès reicht am Vorküstengebirge bis auf rund 800 Meter; hier, im kühlsten Teil, ist die Parellada zu Hause. Das Klima ist mediterran mit 500 bis 650 Millimetern Regen. Rund 17 000 Hektaren Reben stehen zwischen Meer und Bergen, ein grosser Teil davon für Cava, dessen DO in mehreren Regionen Spaniens rund 37 000 Hektaren umfasst, zu 82 Prozent mit den drei einheimischen Sorten bestockt. Die DO Penedès selbst, seit der Ernte 2025 vollständig biologisch, zählt noch gut 2 500 Hektaren.

Im Glas

Die Rebsorten, für die die Region bekannt ist, nach Süsse, Säure, Tannin und Körper.

RebsorteSüsseSäureTanninKörper
Chardonnaytrockenmittel bis hochweiss, ohne Tanninmittel(−) bis voll
Pinot Noirtrockenmittel(+) bis hochniedrig bis mittelleicht bis mittel
Cabernet Sauvignontrockenmittel bis hochmittel(+) bis hochmittel bis voll
Merlottrockenmittel(−) bis mittelmittel(−) bis mittel(+)mittel bis voll
Grenachetrocken, auch süssniedrig bis mittelniedrig bis mittelmittel bis voll
Tempranillotrockenmittel(−) bis mittelmittel bis hochmittel bis voll

Typische Spannen jeder Sorte weltweit, nicht allein in dieser Region, nach dem Degustationsraster des WSET (Level 3, 2022): von trocken bis edelsüss, von niedrig bis hoch, von leicht bis voll. Der Punkt vor dem Namen zeigt die Farbe einer typischen Flasche. Umrandet: ein süsser Stil neben den trockenen Weinen.

Ein Keller, kein Ort

«Cava» heisst schlicht Keller. Der Name erschien 1959 erstmals in einem amtlichen Dokument, ein Kontrollrat für Schaumweine führte ihn 1972 als Bezeichnung ein, und 1986 wurde das Cava-Gebiet abgegrenzt. Es ist keine Gegend, sondern eine Liste von Gemeinden von der Rioja und Navarra bis in die Extremadura und nach Valencia. Die Reifestufen sind Cava de Guarda mit mindestens neun Monaten auf der Hefe, Reserva mit 18 und Gran Reserva mit 30 Monaten, dazu der Cava de Paraje Calificado aus einer einzigen Lage. Vielen Erzeugern reichte das nicht: Raventós i Blanc, das Gut eines anderen Zweigs der Familie Raventós, verliess die DO 2012 für eine eigene Herkunft, Conca del Riu Anoia. 2017 und 2018 gründeten Gramona, Recaredo, Torelló, Llopart, Nadal und Sabaté i Coca die Marke Corpinnat, «Herz des Penedès»: Handlese, biologischer Anbau, Trauben nur aus dem Penedès, Ausbau auf dem eigenen Gut und mindestens 18 Monate Reife. Im Januar 2019 traten sie aus der DO Cava aus.

Grössenvergleich

17 000 ha Penedès hat rund 1,2× so viele Reben wie die ganze Schweiz.

Ein Quadrat ist die ganze Schweiz: rund 14 350 Hektaren Reben.

Rebflächen im Vergleich

  1. La Mancha145 000 ha
  2. Rioja66 000 ha
  3. Ribera del Duero26 000 ha
  4. Penedès17 000 ha
  5. Jerez (Sherry)7 000 ha
  6. Rías Baixas4 000 ha
  7. Priorat2 000 ha

Rebfläche in Hektaren, gerundet, nach den Angaben der Artikel. Regionen ohne verlässliche Flächenangabe fehlen.

Ein schwarzes Etikett in Paris

Der Penedès ist auch Stillweinland. Die Familie Torres keltert seit 1870 in Vilafranca del Penedès und pflanzte in den 1960er-Jahren Cabernet Sauvignon und andere französische Sorten. Ihr Cabernet Mas La Plana aus dem Jahrgang 1970, damals Gran Coronas Black Label, gewann 1979 die Weinolympiade von Gault-Millau in Paris vor Bordeaux-Gewächsen wie Château Latour. Heute gilt der Xarel·lo als ernsthafter Weisswein, straff, salzig und lagerfähig.

Brut Nature zu Tapas

Im Glas: ein Brut Nature bei 6 bis 8 Grad zu Jamón, Mandeln und frittiertem Fisch, ein Gran Reserva zu Poulet aus dem Ofen oder Pilzreis, ein Xarel·lo zu grilliertem Fisch, ein Penedès-Cabernet zu Lamm.