Rebsorte

Petite Arvine

Petite Arvine: der grosse Walliser Weisse aus Fully. Grapefruit, Rhabarber und salziger Abgang, trocken oder als Flétri. Herkunft, Anbau und Gerichte.

Farbe
Weiss
Herkunft
Autochthone Walliser Sorte, seit 1602 belegt; Eltern unbekannt
Anbau in der Schweiz
Rund 280 Hektaren, fast alle im Wallis; Hochburg Fully
Typische Aromen
Grapefruit, Rhabarber, Glyzinie, salziger Abgang
Klassisch dazu
Eglifilets, Spargeln; Flétri zu Blauschimmelkäse
Stile
Trocken, Mi-flétri oder Flétri (Süsswein aus eingetrockneten Trauben)

Wenn Chasselas der Alltagsweisse des Wallis ist, dann ist Petite Arvine sein grosser Weisser. Die Sorte ist im Kanton seit 1602 belegt und hat, soweit die DNA es erkennen lässt, keine bekannten Eltern und keine nachgewiesenen nahen Verwandten; selbst die seltene Grosse Arvine ist trotz des Namens eine eigene Sorte, deren genaue Verwandtschaft mit ihr ungeklärt ist. Sie wächst fast nirgendwo sonst: rund 280 Hektaren in der Schweiz, bis auf wenige alle im Wallis, dazu ein wenig jenseits der Grenze im Aostatal. Die Fläche ist in den letzten zwanzig Jahren stetig gewachsen, was einiges darüber sagt, wie gut der Wein geworden ist.

Die Rebe ist schwierig. Petite Arvine reift spät und braucht deshalb die sonnigsten, wärmsten Hänge; ihre Stiele sind brüchig, und bei starkem Wind fallen die Trauben ab; und sie will genug Wasser in einem Kanton, in dem seit Jahrhunderten Suonen zur Bewässerung nötig sind. Die Hauptstadt der Traube ist Fully zwischen Martigny und Sitten, dessen steile Granitterrassen genau nach Süden schauen und sich rasch erwärmen. Auch Sitten, Siders, Chamoson und Vétroz bringen schöne Beispiele hervor.

Drei Dinge machen den Wein aus. Erstens das Aroma: rosa Grapefruit, Rhabarber, Glyzinie und manchmal Passionsfrucht. Zweitens die Struktur: ein voller, fast öliger Körper, getragen von straffer Säure. Drittens der Abgang, eine deutlich salzige, fast jodige Note, die kein anderer Schweizer Weisswein so klar zeigt. Die meiste Petite Arvine wird trocken ausgebaut, oft im Stahltank, damit sie straff bleibt. Manche Produzenten lassen etwas Zucker für einen Mi-flétri, und die Sorte ist eine der grossen Kandidatinnen für den Flétri, bei dem die Trauben im Spätherbst am Stock oder auf Stroh eindorren und einen dichten, nach Aprikosen duftenden Süsswein ergeben, der Jahrzehnte hält.

Trockene Petite Arvine ist der Wein zu Seefisch und Meeresfrüchten, zu Eglifilets in Butter, Spargeln, Ziegenkäse oder einem leicht gewürzten Gericht. Die süssen Versionen gehören zu Blauschimmelkäse, Foie gras oder einer Aprikosenwähe aus den Früchten des Kantons. Die trockenen Weine bei 9 bis 11 Grad servieren und den besten fünf Jahre im Keller gönnen.

Quiz zu den Rebsorten

Sprachen: Français · Italiano · English