Weinregion
Santorin
Santorin: Wein aus Vulkanasche, wurzelechte Reben im Körbchen, salzig-frischer Assyrtiko, dazu Nykteri und der süsse Vinsanto.
- Rebfläche
- rund 1 200 Hektaren auf Santorin und Thirasia
- Wichtigste Sorten
- Assyrtiko (rund 70 Prozent), dazu Athiri und Aidani
- Böden und Klima
- Asche, Bims und Lava; kaum mehr als 400 mm Regen, Meltemi-Wind, Meernebel
- Typische Weine
- trockener Santorini, Nykteri, Vinsanto
- Wahrzeichen
- die Kouloura: zum Korb geflochtene, wurzelechte Reben am Rand der Caldera
Santorin ist der Rest eines Vulkans: Der gewaltige Ausbruch um 1600 v. Chr. riss die Insel auf und liess die Caldera zurück, an deren Rand die Reben stehen. Die Böden, im Griechischen «aspa», bestehen aus Asche, Bims und Lavagestein, enthalten fast keinen Ton und halten kaum Wasser. Dazu kommt ein hartes Klima: kaum mehr als 400 Millimeter Regen im Jahr und im Sommer der Meltemi, ein beständiger Nordwind. Eine Folge ist selten und kostbar: Die Reblaus findet im lockeren Vulkansand keinen Halt, deshalb stehen viele Reben wurzelecht, und manche sind weit über 70 Jahre alt. Insgesamt zählt die Insel rund 1 200 Hektaren Reben.
Gegen Wind und Sonne haben die Winzer eine eigene Erziehung entwickelt, die Kouloura: Die Triebe werden zu einem flachen Korb gewunden, die Trauben wachsen geschützt im Inneren, und der nächtliche Meernebel setzt sich im Laub ab, in der Trockenheit oft die einzige Wasserquelle. Die Erträge sind winzig, ein Bruchteil dessen, was Reben auf fruchtbaren Böden bringen.
Die Hauptsorte ist der Assyrtiko, auf der Insel zu Hause und mit rund 70 Prozent der Fläche weit voraus. Er behält auch in voller Reife eine hohe Säure und schmeckt nach Zitrone, Stein und Salz: ein knochentrockener Weisswein von straffer Struktur und zurückhaltendem Aroma. Ergänzt wird er durch Athiri und Aidani. Die Herkunft Santorini verlangt mehrheitlich Assyrtiko, und viele Weine bestehen aus ihm allein. Dazu kommen zwei Spezialitäten. Nykteri, dessen Name «Nachtarbeit» bedeutet und an die kühlen Nachtstunden erinnert, in denen man früher arbeitete, ist ein kräftigerer Weisswein, mindestens drei Monate im Holz ausgebaut, mit mindestens 13,5 Volumenprozent. Vinsanto entsteht aus an der Sonne getrockneten Trauben mit mindestens 51 Prozent Assyrtiko und reift mindestens zwei Jahre im Fass; er schmeckt süss und doch frisch, nach Rosine, Karamell und Orangenschale. Mit dem Vin Santo der Toskana, der aus anderen Trauben stammt, ist er nicht zu verwechseln.
Im Glas ist der Santorini ein Weisswein von mittlerem Körper und lebhafter Säure, mit Zitrusfrüchten, Kräutern und einer salzigen, steinigen Note am Gaumen. Wer die Walliser Petite Arvine mit ihrer salzig-grapefruitigen Art mag, erkennt die Verwandtschaft im Stil. Zum Trinken: Santorini zu gegrilltem Fisch, Tintenfisch, Meeresfrüchten und Feta, auch zu Sushi; Nykteri zu Fisch in Olivenöl oder zu Kalb; Vinsanto zu Käse, Nüssen oder allein. Der Tourismus setzt die kleine Rebfläche der Insel allerdings unter Druck.