Rebsorte
Chenin Blanc
Chenin Blanc: die wandlungsfähigste weisse Rebe der Loire, von Vouvray bis Savennières, und als Steen die meistangebaute Sorte Südafrikas.
- Farbe
- Weiss
- Herkunft
- Loire (Anjou, Touraine); Nachkomme des Savagnin, der zweite Elternteil ist nicht geklärt
- Hauptanbaugebiete
- Loire (Vouvray, Savennières, Montlouis, Layon), Südafrika (Stellenbosch, Swartland)
- Typische Aromen
- Quitte, Apfel, Kamille, Honig; hohe Säure, trocken bis süss, auch Schaumwein
- Klassisch dazu
- Ziegenkäse, Rillettes, Fisch in Rahmsauce; süsse Weine zu Blauschimmelkäse
- Synonyme
- Steen (Südafrika), Pineau de la Loire
Chenin Blanc ist eine der wandlungsfähigsten weissen Rebsorten der Welt: Aus derselben Traube entstehen knochentrockene, straffe Weine, halbtrockene mit Honigton, edelsüsse Dessertweine und feinperlender Schaumwein. Ihre Heimat ist die Loire, wo sie in Anjou und der Touraine seit Jahrhunderten wächst. Der Name geht vermutlich auf Mont Chenin in der Touraine zurück. Gern werden Erwähnungen aus dem 9. Jahrhundert in Anjou angeführt, doch ob damals schon dieselbe Sorte gemeint war, ist nicht gesichert. Genetisch ist sie ein Nachkomme des Savagnin, der alten Rebe aus dem Jura, und damit nah verwandt mit dem Sauvignon Blanc; der zweite Elternteil ist nicht geklärt.
Die Rebe treibt früh aus und reift spät, behält dabei ihre hohe, lebhafte Säure und entwickelt in feuchten Herbsten gern Edelfäule. Das erklärt die Bandbreite der Stile. Aromatisch bewegt sich Chenin um Quitte, Apfel, Birne und Kamille; mit dem Alter kommen Honig und Wachs dazu.
An der Loire hat jede Appellation ihre eigene Handschrift. In Vouvray bei Tours wächst die Rebe auf Kies und Lehm über Tuffeau, einem weichen, hellen Kalkstein; es gibt vier Süssestufen von sec bis doux und Schaumweine nach der traditionellen Methode. Montlouis-sur-Loire am anderen Ufer ist ähnlich vielseitig. In Savennières, auf Schieferhügeln in Anjou, entstehen straffe, mineralische und heute fast immer trockene Weine; Coulée de Serrant und Roche-aux-Moines sind die bekanntesten Namen. Im Tal des Layon liefern schliesslich Coteaux du Layon, Bonnezeaux und Quarts de Chaume süsse Weine aus edelfaulen oder an der Rebe eingetrockneten Beeren. Gute Weine aus Vouvray und Savennières halten viele Jahre, die besten Jahrzehnte.
Die zweite grosse Heimat ist Südafrika. Dort wächst die Sorte vermutlich seit dem 17. Jahrhundert am Kap, lange unter dem Namen Steen; dass Steen und Chenin Blanc dieselbe Sorte sind, wurde erst in den 1960er-Jahren bestätigt. Mit rund 16 000 Hektaren ist sie die meistangebaute Sorte des Landes, knapp ein Fünftel der Rebfläche und mehr als in Frankreich. Das Spektrum reicht vom fruchtigen Alltagswein bis zu dichten, im Fass vergorenen Weinen von alten, ohne Bewässerung gewachsenen Buschreben, etwa aus Stellenbosch und dem Swartland.
Am Tisch ist Chenin ein dankbarer Partner. Trockene Weine passen zu Ziegenkäse, Schweinefleisch-Rillettes, Geflügel und Fisch in Rahmsauce, halbtrockene zu würziger oder leicht scharfer Küche, süsse zu Blauschimmelkäse oder Tarte Tatin. Zum Kennenlernen eignet sich der Vergleich eines trockenen Vouvray mit einem südafrikanischen Chenin: dieselbe Rebe, zwei Handschriften.