Weinregion

Stellenbosch

Stellenbosch, Herzstück der Kapweine: Cabernet Sauvignon und rote Cuvées, Chenin Blanc, Pinotage, Wine of Origin und kapholländische Geschichte seit 1679.

Lage
rund 50 km östlich von Kapstadt, Westkap
Bedeutung
grösster Weinbaudistrikt Südafrikas: rund 15 000 Hektaren, etwa ein Sechstel der Rebfläche; über 150 Weingüter an der Weinroute
Wichtigste Sorten
Cabernet Sauvignon, Merlot, Shiraz, Pinotage; Chenin Blanc, Sauvignon Blanc, Chardonnay
Klima und Böden
mediterran, von False Bay und Atlantik gekühlt; verwitterter Granit an den Hängen, sandiger Lehm in den Tälern
Typische Weine
Cabernet Sauvignon, Bordeaux-Cuvées, Cape Blend mit Pinotage, Chenin Blanc
Herkunftssystem
Wine of Origin seit 1973: Gebiet, Region, Distrikt, Ward; Stellenbosch ist ein Distrikt

Stellenbosch liegt rund 50 Kilometer östlich von Kapstadt, am Fuss der Berge Helderberg, Simonsberg und der Stellenbosch Mountains, und ist das Herzstück der Kapweinregion. Der Distrikt ist mit rund 15 000 Hektaren der grösste Weinbaudistrikt Südafrikas und stellt etwa ein Sechstel der Rebfläche des Landes; über 150 Weingüter gehören zur 1971 gegründeten Stellenbosch Wine Route, der ältesten Weinroute des Landes.

Die Geschichte des Kapweins beginnt mit der niederländischen Niederlassung am Kap: 1652 landete Jan van Riebeeck für die Ostindien-Kompanie, und am 2. Februar 1659 vermerkte er in seinem Tagebuch den ersten am Kap gekelterten Wein. 1679 gründete Simon van der Stel, damals Kommandant und später Gouverneur der Kolonie, die Stadt Stellenbosch, die zweitälteste Südafrikas. Französische Hugenotten, die sich gegen Ende des 17. Jahrhunderts im nahen Franschhoek niederliessen, brachten zusätzliche Weinbauerfahrung. Noch heute prägen die weiss gekalkten Gutshäuser im kapholländischen Stil mit ihren geschwungenen Giebeln die Landschaft.

Das Klima ist mediterran: Die Sommer sind warm und trocken, die Winter feucht. Die False Bay im Süden und der Atlantik mildern die Hitze, und im Sommer weht der kräftige Südostwind, der Cape Doctor, der Feuchtigkeit und Mehltau fernhält. Die Berge schaffen sehr unterschiedliche Lagen; an den Hängen ist der Boden aus verwittertem Granit entstanden, in den Tälern ist er sandiger Lehm. Im Herkunftssystem Wine of Origin, 1973 eingeführt, ist Stellenbosch ein Distrikt; darin gibt es kleinere Wards wie Simonsberg-Stellenbosch, Jonkershoek Valley oder Bottelary, die sich über Boden und Klima definieren.

Stellenbosch ist vor allem für Rotwein bekannt. Cabernet Sauvignon ist die Leitsorte, oft mit Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot zur Kap-Version der Bordeaux-Assemblage verschnitten; dazu kommen Shiraz und Pinotage. Pinotage ist eine südafrikanische Kreuzung: In den 1920er-Jahren kreuzte Abraham Perold, der erste Professor für Weinbau an der Universität Stellenbosch, Pinot Noir mit Cinsaut, der in Südafrika damals «Hermitage» hiess; daher der Name. Pinot Noir ist übrigens auch die meistangebaute Sorte der Schweiz. Der Wein ist tiefrot, mit Brombeere, Rauch und einer erdigen Note; als «Cape Blend» gilt nach gängiger Branchendefinition ein Verschnitt mit mindestens 30 Prozent Pinotage. Bei den Weissen führt der Chenin Blanc, in Südafrika auch Steen genannt, mit knapp einem Fünftel der Rebfläche die meistangebaute Sorte des Landes; er reicht vom frisch-fruchtigen Alltagswein bis zu reichen, im Fass ausgebauten Weinen von alten Reben.

Am Tisch passen Cabernet und Bordeaux-Cuvées zu Lammkeule, Rindsfilet und Wild, Pinotage zu Grillfleisch vom Braai, dem südafrikanischen Grill, und zu würzigen Gerichten, Chenin Blanc zu Geflügel, Fisch, Gemüse und mild scharfen Gerichten.

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