Rebsorte

Tempranillo

Tempranillo, die rote Hauptsorte Spaniens: Herkunft, Namen von Rioja bis Douro, Geschmack, Ausbau und passende Gerichte.

Farbe
Rot
Herkunft
Spanien; natürliche Kreuzung aus Albillo Mayor und Benedicto (DNA-Studie 2012)
Hauptanbaugebiete
Rioja, Ribera del Duero, Toro, La Mancha; in Portugal Douro und Alentejo
Typische Aromen
Kirsche, Pflaume, Erdbeere; mit Reife Leder, Tabak, Gewürze
Klassisch dazu
Lammbraten, luftgetrockneter Schinken, Chorizo, Manchego
Synonyme
Tinto Fino, Tinta del País, Cencibel, Ull de Llebre, Tinta Roriz, Aragonez

Tempranillo ist die rote Hauptsorte Spaniens und eine der meistangebauten Rebsorten der Welt. Die OIV zählte 2015 rund 231 000 Hektaren, fast neun Zehntel davon in Spanien, wo sie gut ein Fünftel der gesamten Rebfläche einnimmt; nur die weisse Airén steht auf mehr Hektaren. Seit der Jahrtausendwende hat sie dort kräftig zugelegt, während die Rebfläche insgesamt schrumpfte. Der Name geht auf temprano zurück, «früh»: Die Sorte treibt früh aus und reift früher als die meisten anderen spanischen Rotweinsorten. Eine DNA-Studie von 2012 hat ihre Eltern bestimmt: die weisse Albillo Mayor aus der Mitte der Iberischen Halbinsel und die heute kaum noch angebaute Benedicto.

Dieselbe Rebe trägt je nach Gegend andere Namen. In der Rioja, seit 1991 Spaniens erste DOCa, heisst sie schlicht Tempranillo und stellt den weitaus grössten Teil der roten Rebfläche. In Ribera del Duero ist sie Tinto Fino oder Tinta del País und muss in einem Rotwein zu mindestens 75 Prozent enthalten sein; in Toro nennt man sie Tinta de Toro, in La Mancha Cencibel, in Katalonien Ull de Llebre. Jenseits der Grenze wird sie zur Tinta Roriz im Douro, wo sie zu den fünf prägenden Portweinsorten gehört, und zum Aragonez im Alentejo. Wer Etiketten liest, begegnet ihr unter einem halben Dutzend Namen.

Tempranillo gedeiht am besten in der Höhe, wo kühle Nächte die Säure erhalten: In Ribera del Duero stehen die Reben auf 720 bis gut 1 000 Metern. In heissen Tieflagen entstehen dunkle, alkoholreiche Weine mit wenig Säure. Die Sorte hat eine dicke Schale, gibt viel Farbe und festes Tannin, bleibt aber aromatisch zurückhaltend; empfindlich reagiert sie auf extreme Trockenheit und auf Wind. Deshalb wird sie oft mit Garnacha, Graciano und Mazuelo verschnitten und lange im Holz ausgebaut. In der Rioja zeigen die Etiketten, wie lange: Eine Crianza reift mindestens zwei Jahre, davon eines im Fass, eine Reserva mindestens drei, eine Gran Reserva mindestens fünf.

Im Glas steht Tempranillo eher für Struktur als für laute Frucht: Kirsche, Pflaume und Erdbeere, aus dem Fass Vanille und Gewürze, mit der Reife Leder, Tabak und getrocknete Früchte. Die Weine aus Ribera del Duero sind dunkler und dichter, jene aus der Rioja schlanker und straffer. Ausserhalb der Iberischen Halbinsel wird die Sorte vor allem in Argentinien, Australien und Kalifornien angebaut, spielt dort aber eine kleinere Rolle. Am Tisch passt ein junger Tempranillo zu Tapas, Chorizo und luftgetrocknetem Schinken, ein gereifter zu Lammbraten, Schmorgerichten und hartem Schafskäse wie Manchego.

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