Rebsorte
Nebbiolo
Nebbiolo, die Traube von Barolo und Barbaresco: Herkunft im Piemont, Chiavennasca im Veltlin, Charakter, Anbaugebiete und passende Gerichte.
- Farbe
- Rot
- Herkunft
- Piemont (Langhe); Eltern unbekannt, eng verwandt mit Freisa und Vespolina
- Hauptanbaugebiete
- Piemont (Barolo, Barbaresco, Roero, Gattinara), Veltlin in der Lombardei
- Typische Aromen
- Rose, Veilchen, Kirsche, Teer, Lakritze; im Alter Trüffel und Leder
- Klassisch dazu
- Schmorbraten im Barolo, Tajarin mit Trüffel, Wild, gereifter Käse
- Synonyme
- Chiavennasca (Veltlin), Spanna (Gattinara, Ghemme), Picotendro (Carema)
Nebbiolo ist die Traube hinter Barolo und Barbaresco und eine der anspruchsvollsten Rebsorten Italiens. Sie gehört ins Piemont, wo sie schon im 13. Jahrhundert in Urkunden aus Rivoli bei Turin als «nibiol» auftaucht. Der Name geht vermutlich auf nebbia zurück, den Nebel, der Ende Oktober über den Hügeln der Langhe liegt, wenn die späte Sorte gelesen wird. Ihre Eltern sind unbekannt; DNA-Analysen zeigen aber eine enge Verwandtschaft mit Freisa und Vespolina. Weltweit steht Nebbiolo auf nur rund 6 000 Hektaren, fast alle im Piemont und in der Lombardei.
Im Rebberg ist sie heikel: Sie treibt früh aus, reift spät und beansprucht die besten, sonnigen Hanglagen. Barolo und Barbaresco sind beide zu 100 Prozent Nebbiolo. Barolo wächst in elf Gemeinden um Barolo, La Morra und Serralunga d’Alba auf gut 2 000 Hektaren und muss mindestens 38 Monate reifen, davon 18 im Holz; die Riserva braucht 62 Monate. Barbaresco aus den Gemeinden Barbaresco, Neive und Treiso, auf gut 700 Hektaren, verlangt 26 Monate (davon 9 im Holz), die Riserva 50. Tendenziell sind die Weine aus La Morra weicher und duftiger, jene aus Serralunga kräftiger und langlebiger; Barbaresco gilt meist als eine Spur eleganter und früher zugänglich.
Ausserhalb der Langhe trägt Nebbiolo andere Namen. In Gattinara und Ghemme im Norden des Piemonts heisst er Spanna, in Carema Picotendro. Am weitesten nördlich steht er im Veltlin: Dort wächst er als Chiavennasca auf steilen, nach Süden gerichteten Terrassen gleich südlich von Graubünden; die Bernina-Linie der Rhätischen Bahn führt von Poschiavo nach Tirano, ans östliche Ende dieses Gebiets. Der Valtellina Superiore (DOCG, mindestens 90 Prozent Nebbiolo) hat fünf Unterzonen: Maroggia, Sassella, Grumello, Inferno und Valgella. Der Sforzato di Valtellina entsteht aus Trauben, die nach der Lese mehrere Wochen trocknen, und ist ein kräftiger, trockener Wein.
Im Glas ist Nebbiolo unverwechselbar: ein helles Rubin, das rasch ins Granatrote spielt, dazu kräftige Tannine und hohe Säure. Die Aromen reichen von Rose, Veilchen und Kirsche über Teer und Lakritze bis zu Trüffel, Leder und Tabak im Alter. Junge Weine sind oft herb und verschlossen; gute Barolo gewinnen über zehn bis zwanzig Jahre. Nebbiolo will Essen: Schmorbraten im Barolo, Tajarin mit Butter und weissem Trüffel aus Alba, Wild oder gereifter Käse; zu den Veltliner Weinen passen Pizzoccheri und Bresaola. Bei 16 bis 18 Grad servieren und junge Flaschen dekantieren.