Weinregion

Rheingau

Der Rheingau: rund 3 100 Hektaren an Südhängen über dem Rhein, Riesling auf drei Vierteln der Fläche, Kloster Eberbach, Johannisberg und Assmannshausen.

Rebfläche
rund 3 100 Hektaren, rund 3 Prozent der deutschen Rebfläche
Wichtigste Sorten
Riesling (rund drei Viertel), Spätburgunder, Weissburgunder, Grauburgunder
Böden und Klima
Südhänge unter dem Taunus; Löss, Lehm, Quarzit, Schiefer; rund 600 mm Regen
Typische Weine
Riesling von trocken bis edelsüss, Erstes Gewächs, Spätburgunder aus Assmannshausen
Wahrzeichen
Kloster Eberbach, 1136 von Zisterziensern gegründet

Der Rheingau ist klein und berühmt. Auf rund 3 100 Hektaren, etwa 3 Prozent der deutschen Rebfläche, bildet er einen rund 30 Kilometer langen Streifen von Hochheim am Main und Wicker über Wiesbaden bis nach Lorch am Rhein. Hier macht der Fluss eine Wende: Zwischen Wiesbaden und Rüdesheim fliesst der Rhein nach Westen, und die Reben stehen an Südhängen unter den bewaldeten Höhen des Taunus, die kalte Nordwinde abhalten. Der Fluss spendet Wärme und Licht, die Böden reichen von Löss und Lehm bis zu Quarzit und Schiefer, und mit rund 600 Millimetern Regen im Jahr ist das Klima mild.

Der Rheingau ist Rieslingland: Rund drei Viertel der Fläche tragen die Sorte. Die Zisterzienser gründeten 1136 das Kloster Eberbach und machten es im Mittelalter zu einem der grössten Weinbaubetriebe Deutschlands; das Erbe führen heute die Hessischen Staatsweingüter weiter, das grösste Weingut der Region. Auf Schloss Johannisberg wurde ab 1720 ein Rebberg fast ganz mit Riesling bepflanzt, und der Überlieferung nach entdeckte man dort 1775 die Spätlese, als ein Bote die Lesefreigabe zu spät brachte und die Trauben edelfaul wurden.

Rot ist die Ausnahme, aber eine wichtige: Assmannshausen im Westen des Gebiets ist das Rotweindorf des Rheingaus, mit Spätburgunder (Pinot Noir) vor allem auf Schieferböden, etwa im Höllenberg. In Geisenheim steht seit 1872 ein bis heute berühmtes Institut für Weinbau und Weinforschung. Dort züchtete der Thurgauer Hermann Müller 1882 den Müller-Thurgau, den man für eine Kreuzung aus Riesling und Silvaner hielt, daher sein Schweizer Name Riesling-Silvaner; die DNA zeigte später, dass seine Eltern Riesling und Madeleine Royale sind.

Das Prädikatssystem von Kabinett bis Trockenbeerenauslese gilt hier wie in ganz Deutschland. Dazu kommt die Klassifikation der Lagen: Seit dem Jahrgang 1999 gibt es im Rheingau das Erste Gewächs, trockene Weine aus klassifizierten Lagen, zugelassen nur für Riesling und Spätburgunder. Daneben kennt der Verband der Prädikatsweingüter (VDP) seit 2012 deutschlandweit vier Stufen: Gutswein, Ortswein, Erste Lage und Grosse Lage; der beste trockene Wein einer Grossen Lage heisst Grosses Gewächs.

Rheingauer Riesling ist in der Regel voller und kräftiger als sein Verwandter von der Mosel: reifer Pfirsich, Aprikose, Zitrus, mineralische Frische, oft trocken oder halbtrocken ausgebaut. Zum Essen passen trockene Rieslinge zu Spargel, Zander und Schweinebraten, in Hessen traditionell zu Handkäs mit Musik, einem mit Zwiebeln angemachten Sauermilchkäse; ein Spätburgunder aus Assmannshausen zu Wild oder Ente, eine Spätlese oder Auslese zu Blauschimmelkäse und Aprikosenkuchen.

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