Rebsorte
Müller-Thurgau
Müller-Thurgau, in der Schweiz Riesling-Sylvaner: 1882 von Hermann Müller aus dem Thurgau gezüchtet. Abstammung, Anbau in der Deutschschweiz und Gerichte.
- Farbe
- Weiss
- Abstammung
- Riesling × Madeleine Royale, 1882 von Hermann Müller in Geisenheim gezüchtet
- Anbau in der Schweiz
- Rund 410 Hektaren, fast alle in der Deutschschweiz (Zürich, Thurgau, Schaffhausen, Aargau, St. Gallen)
- Typische Aromen
- Grüner Apfel, Holunderblüte, Muskat, Muskatnuss
- Klassisch dazu
- Zürcher Geschnetzeltes mit Rösti, Fischknusperli, Spargeln
- Synonyme
- Riesling-Sylvaner, Riesling × Sylvaner (Schweiz), Rivaner (Deutschland, Luxemburg)
Müller-Thurgau ist die weisse Traube der Deutschschweiz und die einzige der wichtigen Sorten des Landes mit einem Schweizer Züchter. Hermann Müller wurde 1850 in Tägerwilen im Kanton Thurgau geboren, und 1882 kündigte er an der Forschungsanstalt Geisenheim im Rheingau eine Neuzüchtung an, die seiner Überzeugung nach Riesling mit Sylvaner verband. 1891 kehrte er in die Schweiz zurück und leitete die neue Versuchsstation Wädenswil am Zürichsee. Die Sorte erhielt seinen Namen und den seines Heimatkantons; in der Schweiz wird sie allerdings bis heute meist als Riesling-Sylvaner oder Riesling × Sylvaner verkauft.
Der Name ist falsch. Zweifel am Elternteil Sylvaner kamen schon in den 1950er-Jahren wegen der Blattform auf, und DNA-Analysen um die Jahrtausendwende zeigten, dass der zweite Elternteil in Wahrheit Madeleine Royale ist, eine französische Tafeltraube des 19. Jahrhunderts. Deutschland und Luxemburg, die weit mehr davon anbauen als die Schweiz, etikettieren den Wein oft als Rivaner, eine Verkürzung des alten, unrichtigen Namens.
In der Schweiz bedeckt Müller-Thurgau rund 410 Hektaren, fast alle nördlich der Alpen in den Kantonen Zürich, Thurgau, Schaffhausen, Aargau und St. Gallen, wo er neben dem Blauburgunder der Standardweisse ist. Er reift früh, was dem kühlen voralpinen Klima von vor hundert Jahren entgegenkam, und trägt reichlich; seine Schwächen sind die Fäulnisanfälligkeit und eine gewisse Flachheit bei zu hohem Ertrag. Heutige Winzer schneiden strenger, lesen frischer und haben seinen Ruf deutlich verbessert. Die Fläche nimmt dennoch langsam ab; in der gesamtschweizerischen Statistik hat ihn der Chardonnay zuletzt knapp überholt.
Der Wein ist leicht, weich und duftig, mit grünem Apfel, Holunderblüte, einem muskatartigen Parfum und einem Hauch Muskatnuss, säurearm und dafür gedacht, innerhalb von ein, zwei Jahren getrunken zu werden. Er ist der Alltagsweisse der Zürcher Weindörfer und der natürliche Begleiter von Zürcher Geschnetzeltem mit Rösti, gebratenem Seefisch, Spargeln im Frühling und einem Teller Fischknusperli am See. Weil er so früh reift, gehört er in der Deutschschweiz auch zu den Sorten, aus denen im Herbst der Sauser entsteht, der gärende Most des Wümmets. Gut gekühlt servieren.