Weinregion
Deutschschweiz
Die Deutschschweiz: rund 2 650 Hektaren Reben von Basel bis ins Bündner Rheintal, Heimat von Blauburgunder, Riesling-Silvaner, Räuschling und Completer.
- Rebfläche
- rund 2 650 Hektaren, rund 18 Prozent der Schweiz
- Wichtigste Sorten
- Blauburgunder (rund die Hälfte), Riesling-Silvaner (rund 15 Prozent), Chardonnay, Räuschling, Completer
- Klima
- kühl und regenreicher als im Westen; Seen, Flusstäler und der Föhn schaffen warme Nischen
- Grösste Kantone
- Zürich rund 620, Schaffhausen rund 470, Graubünden rund 420, Aargau rund 390, Thurgau rund 240 Hektaren
- Wahrzeichen
- die Bündner Herrschaft, Hallau im Klettgau und die Rebhänge am Zürichsee
Die Deutschschweiz ist die drittgrösste Weinregion des Landes. Rund 2 650 Hektaren Reben, etwa 18 Prozent der Schweizer Fläche, verteilen sich auf fast alle Kantone nördlich der Alpen: von den Rebbergen bei Basel über den Aargau, Zürich, Schaffhausen und den Thurgau bis ins St. Galler Rheintal und in die Bündner Herrschaft, dazu kleinere Gebiete in Luzern, Schwyz, Solothurn, Zug und am Thunersee. Der Bielersee gehört weinrechtlich zur Westschweiz, das Misox zur italienischen Schweiz. Drei Kantone tragen mehr als die Hälfte der Fläche und haben eigene Seiten: Zürich mit rund 620 Hektaren, Schaffhausen mit rund 470 und Graubünden mit rund 420.
Das Klima ist kühler und feuchter als im Wallis oder in der Waadt, deshalb suchen die Reben die warmen Nischen: die Südhänge über dem Zürichsee, dem Walensee, dem Bielersee und dem Thunersee, die Flusstäler von Rhein, Aare und Limmat und vor allem die Föhntäler. In der Bündner Herrschaft, wo der Föhn die Trauben im Herbst reif bläst, und im Klettgau um Hallau, der grössten zusammenhängenden Rebfläche der Deutschschweiz, reift der Pinot Noir so gut wie sonst kaum nördlich der Alpen. Die Böden wechseln zwischen Kalk, Molasse, Moräne und Schiefer.
Fast zwei Drittel der Fläche sind rot, und eine Sorte dominiert: Der Pinot Noir, hier Blauburgunder oder Clevner genannt, belegt rund die Hälfte des gesamten Rebbergs. Er wird als Rotwein, als Rosé namens Süssdruck und als weiss gekelterter Federweisser ausgebaut. Bei den Weissen führt der Riesling-Silvaner, wie der Müller-Thurgau hier heisst: Der Thurgauer Hermann Müller aus Tägerwilen züchtete ihn 1882 in Geisenheim und leitete ab 1891 die Versuchsanstalt in Wädenswil. Dazu kommen Chardonnay, Sauvignon Blanc, Pinot Gris sowie zwei Raritäten, der Räuschling vom Zürichsee und der Completer aus der Bündner Herrschaft. Die Deutschschweiz ist auch die Region der pilzwiderstandsfähigen Neuzüchtungen, der PIWI-Sorten.
Der Weinbau hat hier eine wechselvolle Geschichte. Im 19. Jahrhundert war die Deutschschweiz ein grosses Weinland, allein der Kanton Zürich zählte über 5 000 Hektaren; Mehltau, Reblaus, billige Importe nach dem Bau der Eisenbahnen und die Industrialisierung liessen die Fläche bis Mitte des 20. Jahrhunderts auf einen Bruchteil schrumpfen. Seit den 1980er-Jahren hat eine neue Generation auf Qualität gesetzt, mit tiefen Erträgen, Barriques und Pinot Noirs, die internationale Vergleiche nicht scheuen. Die Tage der offenen Weinkeller, 1999 in Zürich erfunden, finden heute in der ganzen Schweiz statt.
Zum Trinken: ein Blauburgunder zu Zürcher Geschnetzeltem und Rösti, ein Riesling-Silvaner zu Spargel und Fischknusperli, ein Räuschling zu Felchen, ein Federweisser oder Süssdruck zum Apéro, ein gereifter Bündner Pinot Noir zu Wild und Capuns.