Weinregion
Drei-Seen-Land
Neuenburg, Bielersee und Vully: rund 950 Hektaren Pinot Noir und Chasselas auf Kalk am Jurafuss, die Heimat von Œil-de-Perdrix und Non Filtré.
- Rebfläche
- rund 950 Hektaren: Neuenburg rund 600, Bielersee rund 220, Vully rund 150
- Wichtigste Sorten
- Pinot Noir (knapp die Hälfte), Chasselas (rund ein Viertel), Pinot Gris, Chardonnay, Freiburger
- Böden und Klima
- Jurakalk und Moräne, Sandstein im Vully; die Seen mildern Frost und Hitze
- Typische Weine
- Œil-de-Perdrix, Neuchâtel Non Filtré, Pinot Noir, Chasselas vom Bielersee
- Wahrzeichen
- die Winzerdörfer Twann und Ligerz am Bielersee und der Mont Vully über dem Murtensee
Das Drei-Seen-Land ist die kleinste der sechs Schweizer Weinregionen und zugleich eine der traditionsreichsten. Rund 950 Hektaren Reben, etwa 6 Prozent der Schweizer Fläche, verteilen sich auf drei Gebiete in drei Kantonen: das Neuenburger Weinbaugebiet mit rund 600 Hektaren am Nordufer des Neuenburgersees, den Bielersee mit rund 220 Hektaren im Kanton Bern und den Vully mit rund 150 Hektaren am Murtensee, die zu zwei Dritteln zu Freiburg und zu einem Drittel zur Waadt gehören. Die drei Seen speichern die Wärme, mildern Frost und Hitze und spiegeln die Sonne auf die Hänge; die Reben stehen fast überall am Fuss des Juras auf Kalk und Moräne, im Vully auf Sandstein.
Anders als in der Waadt ist hier der Pinot Noir die wichtigste Traube: Er belegt knapp die Hälfte der Fläche, im Kanton Neuenburg sogar rund 55 Prozent. Die Neuenburger Winzer keltern ihn als feinen, burgundisch anmutenden Rotwein und vor allem als Œil-de-Perdrix, den hellen Rosé, der nach kurzer Maischestandzeit die Farbe eines Rebhuhnauges annimmt; die erste belegte Etikette stammt von 1861 aus Areuse. Der Chasselas, rund ein Viertel der Fläche, gibt einen leichten, oft spritzigen Weisswein. Seit 1975 wird ein Teil davon als Neuchâtel Non Filtré abgefüllt, ungefiltert und trüb, mit feinen Hefen in der Flasche; er darf erst am dritten Mittwoch im Januar in den Verkauf und gilt als erster Wein des Jahres. Pinot Gris und Chardonnay ergänzen das Bild; Auvernier, Cortaillod und Cressier sind die bekanntesten Weindörfer.
Am Bielersee ziehen sich die Reben in steilen, nach Süden gerichteten Terrassen vom Jurafuss zum Wasser, zwischen Twann, Ligerz und La Neuveville, gegenüber der St. Petersinsel. Chasselas und Pinot Noir dominieren, dazu kommen Chardonnay und Gewürztraminer; das Gebiet gehört zum Kanton Bern, zählt aber weinrechtlich zur Westschweiz. Der Vully am Südhang des Mont Vully über dem Murtensee ist mit den Dörfern Môtier, Praz, Lugnorre und Sugiez das kleinste Gebiet; Chasselas und Pinot Noir werden hier von Spezialitäten wie dem Freiburger, wie der Freisamer hier heisst, und dem Traminer begleitet. Seit 2011 teilen sich Freiburg und die Waadt eine gemeinsame AOC Vully.
Neuenburg führte seine AOC 1993 ein; die Region war im 20. Jahrhundert ein Vorreiter für die Qualität des Schweizer Pinot Noir, und die kalkreichen Böden erklären, warum die Weine hier frischer und straffer ausfallen als im Wallis.
Zum Trinken: Œil-de-Perdrix zum Apéro und zu Charcuterie, Non Filtré zu Fondue oder zur Saucisse neuchâteloise, Neuenburger Pinot Noir zu Lamm und Pilzgerichten, ein Bielersee-Chasselas zu Felchen aus dem See, ein Freiburger aus dem Vully zum Vacherin fribourgeois.