Weinregion
Genf
Genf, drittgrösster Weinbaukanton der Schweiz: rund 1 300 Hektaren, Gamay und Chasselas, Satigny als grösste Weinbaugemeinde des Landes, die erste AOC.
- Rebfläche
- rund 1 300 Hektaren, rund 9 Prozent der Schweiz
- Wichtigste Sorten
- Gamay, Chasselas, Pinot Noir, Gamaret, Chardonnay
- Klima
- gemässigt zwischen Jura und Voralpen, vom Genfersee ausgeglichen, trocken durch die Bise
- Typische Weine
- Gamay und Gamaret aus dem Mandement, Chasselas, Chardonnay
- Wahrzeichen
- Satigny, mit über 400 Hektaren die grösste Weinbaugemeinde der Schweiz
Genf ist mit rund 1 300 Hektaren Reben der drittgrösste Weinbaukanton der Schweiz, obwohl er zu den kleinsten Kantonen gehört; rund 9 Prozent der Schweizer Rebfläche liegen hier. Die Reben wachsen nicht am Seeufer, sondern im flachen Hügelland rund um die Stadt, auf Kies, Moräne und Kalk. Der Jura im Nordwesten und die Voralpen im Südosten schaffen ein gemässigtes Klima, der Genfersee gleicht die Temperaturen aus, und die Bise, der kalte Nordostwind, hält die Trauben trocken und gesund. Das Weinbaugebiet teilt sich in drei Teile: das Mandement auf dem rechten Rhoneufer mit rund 790 Hektaren, das Gebiet zwischen Arve und Rhone mit rund 300 und das Gebiet zwischen Arve und See mit rund 280 Hektaren.
Im Mandement liegt Satigny, das mit seinen Dörfern Peissy, Choully und Bourdigny über 400 Hektaren Reben bewirtschaftet und damit die grösste Weinbaugemeinde der Schweiz ist. Seit 2010 zählen auch die Reben im französischen Grenzgebiet, die zu Genfer AOC-Weinen verarbeitet werden, zur Schweizer Rebfläche. Genf war 1988 der erste Kanton mit einer kontrollierten Ursprungsbezeichnung; heute gibt es neben der AOC Genève rund zwei Dutzend Premiers Crus, die an Gemeinden oder Lagen gebunden sind.
Gut die Hälfte der Fläche ist rot. Der Gamay ist mit rund einem Fünftel die meistgepflanzte Sorte, dicht gefolgt vom Chasselas; dahinter kommen Pinot Noir, Gamaret und Chardonnay. Genf war lange ein Gebiet für einfache, leichte Weine, hat sich aber seit den 1990er-Jahren zur experimentierfreudigsten Region des Landes entwickelt: Rund 47 Sorten stehen im Rebberg, darunter Sauvignon Blanc, Viognier, Merlot und Cabernet. Der Gamaret, eine 1970 an der eidgenössischen Forschungsstation Pully aus Gamay und Reichensteiner gezüchtete Sorte, ist hier besonders verbreitet und gibt dunkle, würzige Weine mit weichem Tannin; sein Bruder Garanoir stammt aus derselben Kreuzung.
Der Genfer Weinbau hat eine lange Tradition, die Stadt war im Mittelalter von Reben umgeben, und mit der Reformation und dem Zustrom von Flüchtlingen wuchs der Bedarf. Heute arbeiten rund 130 Betriebe im Kanton, viele mit Direktverkauf, und die Caves ouvertes im Frühling locken jedes Jahr Tausende aus der Stadt in die Dörfer.
Zum Trinken: ein fruchtiger Gamay oder ein Gamaret zu Longeole, der Genfer Schweinswurst, und zu Cardon, ein Chasselas zu Egli-Filets aus dem See, ein Chardonnay oder Sauvignon Blanc zu Käsefondue, ein Pinot Noir zu Geflügel.