Rebsorte

Aglianico

Aglianico, die grosse rote Rebsorte Süditaliens: Taurasi, Aglianico del Vulture, Herkunft, Charakter, Anbaugebiete und passende Gerichte.

Farbe
Rot
Herkunft
Süditalien (Kampanien, Basilikata); Eltern unbekannt, griechische Herkunft nicht belegt
Hauptanbaugebiete
Kampanien (Taurasi, Taburno), Basilikata (Vulture); rund 10 000 Hektaren
Typische Aromen
Pflaume, Schwarzkirsche, dunkle Schokolade, Tabak; kräftige Tannine, hohe Säure
Klassisch dazu
Lamm, Schmorgerichte, Ragù, gereifter Pecorino
Grosse Namen
Taurasi DOCG, Aglianico del Vulture (Superiore DOCG), Aglianico del Taburno DOCG

Aglianico ist die grosse rote Traube Süditaliens und für viele Kenner das Gegenstück zum Nebbiolo des Nordens. Sie steht auf rund 10 000 Hektaren, die allermeisten davon in Kampanien und in der Basilikata. Über ihren Namen wird gestritten: Eine verbreitete Deutung führt ihn auf «vitis hellenica» zurück, die griechische Rebe, die von Siedlern an die Küste Kampaniens gebracht worden sein soll. DNA-Analysen stützen eine griechische Herkunft nicht; die Eltern sind unbekannt, was eher für eine alte, einheimische Sorte des Südens spricht. Der kampanische Aglianicone ist keine Mutation, sondern eine eigene, eng verwandte Sorte.

Aglianico ist eine Spätreife. Die Rebe treibt früh aus, liebt trockene, sonnige Lagen und reift so spät, dass in manchen Jahren bis in den November hinein gelesen wird. Wer zu früh liest oder zu viel erntet, bekommt einen harten, scharfen Wein; richtig ausgereift ist er dunkel, dicht und von hoher Säure getragen, mit kräftigen Tanninen, die sich erst mit den Jahren lösen. Ausserhalb Italiens gibt es nur kleine Pflanzungen, etwa in Australien und Kalifornien.

Der berühmteste Wein ist der Taurasi aus den Hügeln rund um das Dorf Taurasi in der Provinz Avellino in Kampanien, seit 1970 DOC und seit 1993 DOCG. Die Reben stehen dort auf etwa 400 bis 500 Metern Höhe, insgesamt auf weniger als 500 Hektaren. Er muss mindestens 85 Prozent Aglianico enthalten und drei Jahre reifen, davon mindestens eines im Holz; die Riserva braucht vier Jahre, davon 18 Monate im Holz. Gute Taurasi sind auf lange Lagerung angelegt, und man nennt sie oft den «Barolo des Südens». Auch der Falerno del Massico in der Provinz Caserta beruht überwiegend auf Aglianico. In der Basilikata wächst der Aglianico del Vulture am Monte Vulture, einem erloschenen Vulkan, auf vulkanischen Böden; als Superiore ist er DOCG, zu 100 Prozent aus Aglianico, mit mindestens drei Jahren Reife, die Riserva fünf. Der Aglianico del Taburno, aus der Gegend des Monte Taburno bei Benevento, ist seit 2011 DOCG.

Tannin und Säure verlangen nach Fett und Eiweiss: Lamm vom Grill oder aus dem Ofen, Schmorgerichte, Ragù und gereifter Pecorino sind die klassischen Begleiter. Junger Taurasi braucht Zeit; man dekantiert ihn und serviert ihn bei 16 bis 18 Grad.

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