Rebsorte
Humagne Rouge
Humagne Rouge, im Aostatal Cornalin: ein Kind des Walliser Cornalin, seit Ende des 19. Jahrhunderts im Wallis. Herkunft, wilder Charakter und Gerichte.
- Farbe
- Rot
- Abstammung
- Natürlicher Nachkomme des Cornalin du Valais (Rouge du Pays) und einer unbekannten Sorte, aus dem Aostatal
- Anbau in der Schweiz
- Rund 140 Hektaren im Wallis, vor allem im Mittelwallis
- Typische Aromen
- Wilde Beeren, Unterholz, Rinde, Veilchen, Enzian
- Klassisch dazu
- Wild: Hirsch, Wildschwein, Gämspfeffer
- Synonym
- Cornalin d’Aoste (nicht verwandt mit Humagne Blanche)
Humagne Rouge ist die Traube mit dem irreführendsten Namen der Schweiz. Sie ist nicht mit der Humagne Blanche verwandt, der alten weissen Sorte, deren Namen sie entlehnt hat, und sie ist auch nicht der Walliser Cornalin, obwohl sie im Aostatal, aus dem sie stammt, genau so heisst. DNA-Analysen Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre haben die Frage geklärt: Humagne Rouge und Cornalin d’Aoste sind ein und dieselbe Sorte, und diese Sorte ist ein natürlicher Nachkomme des Rouge du Pays, der Traube, die das Wallis heute Cornalin nennt, gekreuzt mit einem unbekannten, wahrscheinlich ausgestorbenen Partner.
Über die Alpen kam sie spät. Humagne Rouge erreichte das Wallis gegen Ende des 19. Jahrhunderts über den Grossen St. Bernhard, mehrere Jahrhunderte nachdem ihr Elternteil denselben Weg genommen hatte, und liess sich im Mittelwallis um Sitten, Siders, Chamoson und Leytron nieder. Heute baut der Kanton rund 140 Hektaren an, womit sie die zweite der beiden grossen einheimischen roten Sorten ist, und ausserhalb von Wallis und Aostatal ist sie praktisch unbekannt.
Im Rebberg ist die Traube robuster als Cornalin, reift aber spät und braucht warme, gut exponierte Hänge, um ihre Rustikalität abzulegen. Der Wein ist mittelschwer, mässig in der Farbe und riecht nach dem Hang im Herbst: wilde Brombeeren und Heidelbeeren, Unterholz, Rinde, Veilchen und eine bittere Note, die Einheimische mit Enzian vergleichen. Die Tannine sind fest und in der Jugend etwas rau, weshalb der Wein lange als einfacher Landwein galt; sorgfältige Produzenten lesen heute reifer, mildern die Tannine mit schonender Extraktion und etwas Fassreife und keltern ernsthafte, charaktervolle Flaschen.
Humagne Rouge ist der klassische Wein der Walliser Jagdsaison. Man trinkt ihn zu Hirsch, Wildschwein, Gämspfeffer, Wildgeflügel mit Marroni oder einfach zu Trockenfleisch und Roggenbrot. Jung getrunken bietet er Frucht, aber drei bis fünf Jahre im Keller runden ihn schön ab. Bei 16 bis 17 Grad servieren.