Jede Rebsorte auf dieser Website hat einen Kasten «Im Glas»: sechs Skalen aus dem Degustationsraster des Wine & Spirit Education Trust, des WSET, nämlich Süsse, Säure, Tannin, Alkohol, Körper und Intensität. Jede der 65 Sorten erhält auf jeder Skala eine Spanne, vom leichtesten typischen Wein bis zum reichsten. Nimmt man zwei Skalen als Achsen und setzt jede Sorte in die Mitte ihrer Spannen, entsteht eine Landkarte. Gemessen ist sie nicht, sondern gelesen, aus den Standardbeschreibungen, darunter «Wine Grapes» von Jancis Robinson, Julia Harding und dem Walliser Genetiker José Vouillamoz. Aber sie zeigt, welche Sorten Nachbarn sind.
Bei den Weissen ist das nützlichste Paar Säure und Körper, die kaum voneinander abhängen: Ein voller Wein kann frisch oder mild sein. So füllen die Weissen alle vier Ecken. Frisch und leicht sind der Räuschling vom Zürichsee, der Melon de Bourgogne des Muscadet und der Riesling; frisch und voll der Completer aus Graubünden, die Petite Arvine aus dem Wallis und der Furmint. Mild und voll sind Viognier, Marsanne und Gewürztraminer, und die milde, leichte Ecke gehört den Klassikern der West- und der Ostschweiz, Chasselas und Müller-Thurgau. Vier der fünf meistangebauten Weissen liegen auf der frischen Seite; nur der Pinot Gris ist mild.
Zum Angeben am Apéro
Der Chasselas, die meistangebaute weisse Rebsorte der Schweiz, bleibt als einzige von 65 bei Säure, Körper und Intensität auf mittel(−) oder darunter: die stillste Sorte auf der Karte.
Die grossen Weissen sind frisch
Weisse Rebsorten nach Säure und Körper, jede in der Mitte ihrer typischen Spannen. Vier der fünf meistangebauten liegen auf der frischen Seite; nur der Pinot Gris ist mild.
- Die fünf meistangebauten weissen Sorten
- Übrige Sorten
Stufen nach dem Degustationsraster des WSET (Level 3, 2022), keine Messwerte. Sorten auf demselben Fleck sitzen im Kreis darum; jeder Punkt führt zu seiner Sorte. Airén und Macabeo, die weltweit vor dem Riesling liegen, haben hier noch keine Seite. Quelle: Weinquiz nach WSET, Oxford Companion und «Wine Grapes».
Griff und Frische
Beim Rotwein ist die zweite Frage das Tannin, und auch es geht seinen eigenen Weg. Nebbiolo und Aglianico haben die obere Ecke für sich, hoch in Säure und in Tannin: Weine, die Jahre brauchen. Barbera ist ebenso frisch, aber fast ohne Gerbstoff, Pinot Noir und Gamay sind frisch und sanft. Keine der fünf meistangebauten roten Sorten ist durchwegs frisch: Cabernet Sauvignon, Merlot, Tempranillo und Syrah sitzen in der kräftigen Mitte, und Grenache besetzt allein die untere Ecke beider Skalen, weich, rund und warm.
Die Frische gehört den Spezialisten
Rote Rebsorten nach Säure und Tannin. Keine der fünf meistangebauten ist durchwegs frisch: Die rechte Seite gehört Nebbiolo, Barbera, Pinot Noir und Gamay.
- Die fünf meistangebauten roten Sorten
- Übrige Sorten
Stufen nach dem Degustationsraster des WSET (Level 3, 2022), keine Messwerte. Sorten auf demselben Fleck sitzen im Kreis darum; jeder Punkt führt zu seiner Sorte. Quelle: Weinquiz nach WSET, Oxford Companion und «Wine Grapes».
Was zusammengehört
Nicht jedes Paar ergibt eine Karte. Trägt man bei den Weissen Alkohol gegen Körper auf, bei den Roten Tannin gegen Körper, steigen die Punkte einer Diagonale entlang; die drei roten Sorten, die immer viel Alkohol haben, Grenache, Zinfandel und Mourvèdre, haben alle mindestens mittleren Körper. Zufall ist das nicht: Alkohol ist ein guter Teil dessen, was der Gaumen als Körper liest. 2007 erhöhte ein australisches Team um Richard Gawel den Alkohol dreier Rieslinge von 11,6 auf 13,6 Prozent, und bei zweien fanden die Degustierenden den Wein voller und dickflüssiger. Glycerin, dem man gern das Gewicht eines Weins zuschreibt, wirkte schwächer und weniger verlässlich.
Mehr Alkohol, mehr Körper
Oben die weissen Sorten nach Alkohol und Körper, unten die roten nach Tannin und Körper: Die Punkte steigen gemeinsam, die gestrichelte Linie zeigt den Trend.
Weisse Sorten: Alkohol und Körper
Rote Sorten: Tannin und Körper
- Die fünf meistangebauten roten Sorten
- Die fünf meistangebauten weissen Sorten
- Übrige Sorten
Jeder Punkt ist eine Sorte in der Mitte ihrer Spannen und führt zu ihr. Quelle: Weinquiz nach dem Degustationsraster des WSET (Level 3, 2022).
Ein Netz statt eines Punkts
Ein Netzdiagramm, eine Speiche pro Skala, zeigt alle sechs auf einmal. Hier sind die fünf meistangebauten Sorten jeder Farbe Bänder vom leichtesten bis zum reichsten Stil, und die Breite eines Bands erzählt die Geschichte: Der Riesling reicht von trocken bis edelsüss, wie Chenin Blanc, Furmint, Muscat und Gewürztraminer, während der Sauvignon Blanc, fast immer trocken, frisch und duftig, das schmalste der zehn hat. Zu lesen ist die Form, nicht die Fläche: Alkohol hat drei Stufen, Süsse sechs, und schon die Reihenfolge der Speichen verändert die Fläche.
Die Grossen im Netz
Die fünf meistangebauten roten und weissen Sorten. Jedes Band reicht vom leichtesten bis zum reichsten typischen Wein: Der Riesling hat das breiteste, der Sauvignon Blanc das schmalste.
- Eine Speiche pro Skala: innen die niedrigste Stufe, aussen die höchste.
Rote Sorten
Weisse Sorten
Es zählt die Form, nicht die Fläche: Alkohol hat drei Stufen, Süsse sechs, und schon die Reihenfolge der Speichen verändert die Fläche. Weisse Sorten haben kein Tannin; ihr Band läuft an der gestrichelten Speiche vorbei. Ein Ring: ein süsser Stil neben den trockenen Weinen. Quelle: Weinquiz nach dem Degustationsraster des WSET.
Überall oder nur daheim
Wie viel es von einer Sorte gibt, zeigt eine letzte Grafik, nach der Datenbank der University of Adelaide, zusammengestellt vom Ökonomen Kym Anderson mit Signe Nelgen und Germán Puga. Am meisten angebaut ist der Cabernet Sauvignon mit 279 000 Hektaren in 46 Ländern, am weitesten verbreitet der Chardonnay, in 47. Der Tempranillo hat fast so viel Land, 227 000 Hektaren, aber in nur 20 Ländern, das meiste davon in Spanien. Dreizehn der 65 wachsen in einem einzigen Land: fünf türkische Sorten und acht Schweizer, am kleinsten der Completer mit 11 Hektaren. Fürs Glas ergibt sich eine Regel: Wer einen Wein mag, probiert seinen Nachbarn; jede Sortenseite zeigt die drei nächsten auf der Karte ihrer Farbe.
Überall oder nur daheim
Die Rebfläche jeder Sorte weltweit (logarithmisch: jede Linie das Zehnfache der vorigen) gegen die Zahl der Länder, die mindestens eine Hektare davon haben.
- Die fünf meistangebauten roten Sorten
- Die fünf meistangebauten weissen Sorten
- Übrige Sorten
Ertragsfläche um 2023; die Türkei hat nach 2016 nichts mehr gemeldet. Gezählt sind Länder mit mindestens einer Hektare der Sorte; Airén und Macabeo, die grosse weisse Sorten sind, haben hier noch keine Seite. Quelle: Anderson, Nelgen und Puga, University of Adelaide (2026).
