Rebsorte
Montepulciano
Montepulciano, die Rebsorte der Abruzzen: Herkunft, Montepulciano d’Abruzzo und Rosso Conero, Abgrenzung zum Vino Nobile, Charakter und Küche.
- Farbe
- Rot
- Herkunft
- Mittelitalien, vermutlich Abruzzen; eigene Sorte, nicht mit Sangiovese identisch
- Hauptanbaugebiete
- Abruzzen (mehr als die Hälfte der Fläche), Marken, Molise, Apulien; rund 30 000 Hektaren
- Typische Aromen
- Pflaume, Schwarzkirsche, Brombeere, Gewürze; viel Farbe, weiche Tannine
- Klassisch dazu
- Arrosticini (Lammspiesschen), Spaghetti alla chitarra, Pizza, gegrilltes Fleisch
- Nicht zu verwechseln
- Vino Nobile di Montepulciano: ein Sangiovese aus der toskanischen Stadt
Bei Montepulciano muss man zuerst zwei Dinge auseinanderhalten: die Stadt und die Traube. Der Vino Nobile di Montepulciano stammt aus der gleichnamigen toskanischen Stadt und ist ein Sangiovese (mindestens 70 Prozent), der dort Prugnolo Gentile heisst. Die Rebsorte Montepulciano hat damit nichts zu tun. Sie ist eine eigene Sorte, die vermutlich aus den Abruzzen stammt; eine nachweisbare Verbindung zur Stadt gibt es nicht, und DNA-Analysen zeigen, dass sie auch nicht mit Sangiovese identisch ist, obwohl beide lange verwechselt wurden.
Mit rund 30 000 Hektaren gehört Montepulciano zu den meistgepflanzten roten Sorten Italiens, mehr als die Hälfte davon in den Abruzzen; der Rest liegt vor allem in den Marken, in Molise und in Apulien. Die Abruzzen liegen zwischen der Adria und dem Gran Sasso, dem höchsten Gipfel des Apennins, und die Reben wachsen auf den Hügeln dazwischen. Sie treibt spät aus, reift spät und hat dicke, farbstoffreiche Schalen; Grauschimmel und Echter Mehltau setzen ihr wenig zu. Im kühleren Norden Italiens kommt sie selten vor, denn sie braucht Wärme und eine lange Reifezeit.
Die wichtigste Appellation ist der Montepulciano d’Abruzzo, seit 1968 eine DOC, mit Unterzonen wie Casauria, Terre dei Vestini oder Alto Tirino. Er muss mindestens 85 Prozent Montepulciano enthalten; den Rest dürfen andere nicht aromatische rote Sorten stellen, die in den Abruzzen zugelassen sind. Die Spitze bildet der Colline Teramane Montepulciano d’Abruzzo, seit 2003 eine DOCG aus den Hügeln der Provinz Teramo: mindestens 90 Prozent Montepulciano, höchstens 10 Prozent Sangiovese. Der Cerasuolo d’Abruzzo, ebenfalls mit mindestens 85 Prozent Montepulciano, ist ein kirschfarbener Rosé. In den Marken ist der Rosso Conero vom Monte Conero bei Ancona die bekannteste Version; er besteht mindestens zu 85 Prozent aus Montepulciano, der Rest darf Sangiovese sein.
Im Glas ist Montepulciano dunkel und weich: viel Farbe, milde Tannine, eine mässige Säure und Aromen von Pflaume, Schwarzkirsche, Brombeere und Gewürzen. Das macht ihn zugänglich und zum Wein der unkomplizierten Küche: Arrosticini, die Lammspiesschen der Abruzzen, Spaghetti alla chitarra, die mit einem Saitenrahmen geschnittene Pasta der Abruzzen, mit Ragù, Pizza und gegrilltes Fleisch. Gute Flaschen gewinnen in den ersten Jahren noch dazu; ein einfacher Montepulciano d’Abruzzo schmeckt jung und leicht gekühlt am besten, bei etwa 16 Grad.