Rebsorte
Zweigelt
Zweigelt: Österreichs meistangebaute Rotweinsorte, um 1922 aus St. Laurent und Blaufränkisch gezüchtet. Stil, Anbau und passende Gerichte.
- Farbe
- Rot
- Herkunft
- Klosterneuburg bei Wien, meist auf 1922 datiert: St. Laurent × Blaufränkisch (Fritz Zweigelt)
- Hauptanbaugebiete
- Österreich, rund 6 000 Hektaren (gut 13 % der Rebfläche); kleinere Flächen in Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Kanada
- Typische Aromen
- Kirsche, Waldbeeren, Pfeffer; weiche Tannine, mässige Säure
- Klassisch dazu
- Schweinsbraten, Würste, Wiener Schnitzel, Brettljause
- Synonyme
- Blauer Zweigelt, Zweigeltrebe, Rotburger
Zweigelt ist die Rotweinsorte, die man in Österreich am häufigsten im Glas hat. Mit rund 6 000 Hektaren, gut 13 Prozent der Rebfläche, ist sie die meistangebaute rote Sorte des Landes, auf mehr als doppelt so viel Fläche wie der Blaufränkisch, und nach dem Grünen Veltliner die zweitwichtigste überhaupt. Sie wächst in fast allen Weinbaugebieten, am stärksten im Burgenland und in Niederösterreich: am Neusiedler See, im Carnuntum östlich von Wien und im Weinviertel.
Die Sorte ist jung. Sie entstand um 1922 unter der Leitung von Fritz Zweigelt am Weinbauinstitut in Klosterneuburg bei Wien als Kreuzung von St. Laurent und Blaufränkisch. In den 1950er-Jahren setzte sich der Winzer Lenz Moser dafür ein, sie nach ihrem Züchter zu benennen. Rotburger lebt als Synonym weiter, neben Blauer Zweigelt und Zweigeltrebe. Im Jahr 2018 entbrannte eine öffentliche Debatte über den Namen, weil Fritz Zweigelt dem Nationalsozialismus nahegestanden hatte; die Sorte behielt ihn.
Zweigelt ist ein Wein für jeden Tag. Er hat eine leuchtend rubinrote bis dunkelrote Farbe, Aromen von Kirsche und Waldbeeren mit einer würzigen, pfeffrigen Note, weiche Tannine und mässige Säure. Die Rebe ist wüchsig und ertragreich; erst gezügelte Erträge ergeben Weine mit Tiefe, zu grosse Mengen dagegen dünne, schnell müde Weine. Im Vergleich mit dem Blaufränkisch ist er zugänglicher: weniger streng, dafür sofort gefällig. Die meisten Weine werden jung getrunken und in Stahltank oder grossem Holzfass ausgebaut; ambitionierte Reserven reifen im Barrique und gewinnen an Dichte sowie an Vanille- und Röstnoten. Rosé und Cuvées mit Blaufränkisch, St. Laurent oder Cabernet sind verbreitet. Der Neusiedlersee hat mit der DAC Neusiedlersee ein eigenes Herkunftssystem, das auf Zweigelt aufbaut; der einfache Wein dieser DAC, der Klassik, muss zu mindestens 85 Prozent aus Zweigelt bestehen, die Reserve zu mindestens 60 Prozent. Auch das Carnuntum ist für seine Zweigelt-Weine bekannt.
Ausserhalb Österreichs findet man Zweigelt vor allem in Tschechien, wo er Zweigeltrebe heisst und zu den meistangebauten roten Sorten gehört, und in der Slowakei, in kleineren Mengen auch in Ungarn und in Kanada, in Ontario und British Columbia. Zu Tisch ist er ein dankbarer Begleiter: Schweinsbraten, Würste, Wiener Schnitzel, Tafelspitz und die klassische Brettljause, aber auch Pasta mit Tomatensauce und Pizza. Leicht gekühlt, bei 14 bis 16 Grad, kommt seine Frucht am besten zur Geltung.